Gelehrte Journale und Zeitungen als Netzwerke des Wissens im Zeitalter der Aufklärung
„Was ist Aufklärung?“ – Nicht zufällig wurde die vielleicht berühmteste Frage des Jahrhunderts 1784 in einer Monatsschrift ausgeschrieben, denn Zeitungen und Zeitschriften waren längst „die Vorratskammern des menschlichen Verstandes“ geworden. Die Periodika fungierten als ‚Schlüsselmedien‘ auch für den Wissenschaftsbetrieb des 18. Jahrhunderts. Sie institutionalisierten eine neue Form gelehrter Netzwerke und machten das öffentlich, was Gelehrte zuvor jahrhundertelang nur intern ausgetauscht hatten. Sie gaben Nachricht von Entdeckungen, Experimenten und neuesten Debatten. Ihre Bedeutung für die Welt der Wissenschaften war aber noch viel weitreichender: Mit Buchanzeigen und dem sich etablierenden Rezensionswesen waren die gelehrten Journale und Zeitungen unverzichtbare Regulative, die für Überblick und Orientierung im Meer des Gedruckten sorgten.
Hinreichend erschlossen ist die breite Tradition gelehrter Blätter des 18. Jahrhunderts allerdings noch nicht. Dies gilt sowohl für die Inhalte als auch für die konkrete mediale und kommunikative Leistung einzelner Periodika. Hier setzt das vorliegende Projekt – eine Kooperation der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen mit der Universitätsbibliothek Leipzig und der Bayerischen Staatsbibliothek München – an. Ein Datenbankportal wird Artikel, Rezensionen und gelehrte Nachrichten aus rund 128 Zeitschriften des 18. Jahrhunderts verfügbar und detailliert recherchierbar machen. Für Fragen einer allgemeinen ‚Wissenstopographie‘ und Wissensvernetzung des 18. Jahrhunderts ist das Projekt ebenso bedeutend wie für die Rezeptionsgeschichte einzelner Werke sowie die Entwicklung der sich spezialisierenden Disziplinen.
Die Erschließungskontingente der Arbeitsstellen orientieren sich einerseits an geographischen und konfessionellen Gesichtspunkten, andererseits an Kriterien lokaler Verfügbarkeit. Leipzig als ein Zentrum der Aufklärung rückte im Laufe des 18. Jahrhunderts an die Spitze der Produktion deutschsprachiger Zeitschriften und Zeitungen. Nicht umsonst wurde die Messe- und Universitätsstadt von Zeitgenossen als „Journalfabric“ bezeichnet. Mit der Erschließung hiesiger gelehrter Journale und Zeitungen durch die Leipziger Arbeitsstelle wird auch Leipzigs Bedeutung für das Pressewesen des 18. Jahrhunderts angemessen berücksichtigt.
Website des Projekts: http://adw-goe.de/forschung/forschungsprojekte-akademienprogramm/gelehrte-journale-und-zeitungen/
Gefördert von der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften
Projektlaufzeit: 2011 - 2025
ProjektmitarbeiterInnen: Riccarda Henkel, Dr. Flemming Schock
Arbeitsstellenbetreuer und Ansprechpartner: Prof: Dr. Ulrich Johannes Schneider

