Wasserzeichen-Informationssystem Deutschland (WZIS) – Aufbau eines Informationssystems für Wasserzeichen in den DFG-Handschriftenzentren
Projektbeschreibung
Seit dem Beginn der abendländischen Papierproduktion im Italien des mittleren 13. Jahrhunderts ist die Verwendung von Wasserzeichen im christlichen Europa üblich gewesen. Eine auf dem Papierschöpfsieb angebrachte Drahtform sorgte dafür, dass im Papier ein Negativabdruck der Form entstand, der im Gegenlicht sichtbar wurde. Diese Wasserzeichen dienten als Marken-, Herkunfts- und Qualitätszeichen.
Für zahlreiche Forschungsdisziplinen sind Papierwasserzeichen eine wertvolle Informationsquelle, um Schriftstücke zu datieren oder historisch zu kontextualisieren. Denn aufgrund der begrenzten Haltbarkeit der Schöpfsiebe ist damit zu rechnen, dass diese Werkzeuge im Abstand von etwa zwei Jahren erneuert werden mussten, wobei eine Variante des Drahtzeichens angefertigt wurde. Das einzelne Wasserzeichen führt also unmittelbar in die Enstehungszeit der beschrifteten Papiere.
Um Wasserzeichen für die Datierung und Untersuchung von Papierschriftstücken heranziehen zu können, werden datierte oder datierbare Belege benötigt. Große Belegsammlungen wurden im 20. Jahrhundert angelegt und publiziert und stehen heute online für Recherchen zur Verfügung (
Briquet Online;
Piccard-Online;
WZMA). Daneben sind in den letzten Jahrzehnten an den deutschen Handschriftenzentren im Zuge der Erschließung mittelalterlicher Handschriftenbestände umfangreiche Wasserzeichensammlungen entstanden, die bislang nur als interne Hilfsmittel zur Verfügung standen.
Das WZIS-Projekt wird von fünf Kooperationspartnern getragen: der
Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart, dem
Landesarchiv Baden-Württemberg - Hauptstaatsarchiv Stuttgart, der
Universitätsbibliothek Leipzig,
der Bayerischen Staatsbibliothek München sowie der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Ziel des Projekts ist, eine Datenbank für die zentrale Erschließung und Internetpräsentation dezentral vorgehaltener Belegsammlungen aufzubauen.
Im Zuge des WZIS-Projekts wird der Leipziger Bestand an Wasserzeichenbelegen, der seit 2002 systematisch aufgebaut wird und derzeit ca. 3.000 Zeichen umfasst, digitalisiert und die Images zusammen mit den Erschließungsdaten in die Datenbank eingespeist.
Website des Projekts:
http://www.landesarchiv-bw.de/web/50960
Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Projektlaufzeit: 2010 - 2012
Leiter des Handschriftenzentrums der Universitätsbibliothek Leipzig: Dr. Christoph Mackert


