Vortrag: Vom Wert der Selbstlosigkeit – Überlegungen zu Ernst Tugendhats Modell einer gegenwärtigen Mystik

Taiwan Lectures on Chinese Studies

Die Rezeption chinesischer Denker wie Konfuzius, Zhuangzi, Seng Zhao oder Zhu Xi hat im deutschen Sprachraum eine sehr lange Geschichte. In der akademischen Forschung sind ihre Lehren oft aus einer historischen, soziologischen oder religionswissenschaftlichen Perspektive gedeutet worden, seltener auch aus einer explizit philosophischen Perspektive. In einer sich zunehmend „global“ verstehenden Welt besitzen die Namen dieser Denker eine neue Strahlkraft; und doch, so groß heute auch der Wunsch ist, sich dem Anderen und kulturell Fremden zu öffnen, die chinesische Texte entziehen sich der einfachen Aneignung.

Kai Marchal möchte in seinem Vortrag ausgehend von der Kontroverse um Ernst Tugendhats Buch Egozentrizität und Mystik (aus dem Jahr 2003) die Frage neu aufwerfen, wie konfuzianische, daoistische und buddhistische Lehren von der Selbstlosigkeit zu verstehen sind. Marchal wird Tugendhats Deutung daoistischer und buddhistischer Texte von einigen im chinesischen Sprachraum einflussreichen Deutungen abgrenzen und ihre philosophische Plausibilität diskutieren. Nicht zuletzt wird es im Vortrag um die Frage gehen, wie unsere moderne Lebensform mit ihrem Bedürfnis nach Mystik und Spiritualität von diesen Weisheitslehren direkt in Frage gestellt wird.

Kai Marchal ist Associate Professor im philosophischen Institut der National Chengchi University in Taipeh. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte der chinesischen Philosophie, Ethik sowie transkulturelle politische Theorie. Zuletzt veröffentlichte er mit Michael Hampe den Band Weisheit. Neun Versuche (Matthes & Seitz Berlin, 2021).

 

12. Juli 2022, 18 Uhr

Vortragssaal in der Bibliotheca Albertina
Beethovenstr. 6
04107 Leipzig

Eintritt frei

Referent: Prof. Kai Marchal

Corona-Hygienebestimmungen: Bitte beachten Sie die geltenden Coronamaßnahmen bei Präsenzveranstaltungen in der UB Leipzig.