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Die Klosterbibliothek von St. Marienthal als Kosmos von Netzwerken und Beziehungen

Ende 2023 ist es dem Freistaat Sachsen gelungen, die historische Klosterbibliothek der ostsächsischen Zisterzienserinnenabtei St. Marienthal mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung zu erwerben und damit ein einmaliges Kulturerbe als gewachsene Einheit für die Öffentlichkeit zu sichern. (Link zur Pressemitteilung

Dank einer Projektförderung der Carl Friedrich von Siemens Stiftung können die Universitätsbibliothek Leipzig (UB Leipzig) und die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB Dresden) die historische Klosterbibliothek von St. Marienthal nun in einem Kooperationsprojekt weiter wissenschaftlich erforschen. Es handelt sich dabei um eine über Jahrhunderte gewachsene Sammlung von einzigartigem kultur- und landesgeschichtlichem Rang. Sie enthält Spitzenstücke wie den reich illuminierten Marienthaler Psalter und das Kapiteloffiziumsbuch aus der Marienthaler Vaterabtei Altzelle, das eine der wichtigsten Handschriften dieses bedeutendsten sächsischen Klosters darstellt. (Link zum Blogbeitrag)

Ziel des Projektes ist es, sowohl den mittelalterlichen als auch den neuzeitlichen Buchbestand der Klosterbibliothek von St. Marienthal intensiver zu erforschen. Der am Handschriftenzentrum der UB Leipzig angesiedelte Projektteil untersucht die erhaltenen mittelalterlichen Handschriften und Inkunabeln und blickt von ihnen auf die Zusammenhänge zu anderen Klöstern und historischen Akteuren. So werden die im ausgehenden 12. Jahrhundert und in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts produzierten Handschriften aus den in der Reformationszeit aufgelösten Klöstern Altzelle und Buch untersucht, die seit den 1540er Jahren in der Universitätsbibliothek Leipzig aufbewahrt werden. Im Projekt werden einerseits die frühen Skriptorien beider Klöster näher untersucht, andererseits Kontakte und Beziehungen zwischen den verschiedenen Männer- und Frauenklöstern des Ordens in den Blick genommen. Erstmals systematisch erforscht wird auch der mittelalterliche Buchbestand des zweiten sächsischen Zisterzienserinnenklosters St. Marienstern bei Kamenz, wo nach ersten Sichtungen noch ca. 100 mittelalterliche Codices erhalten sind, die bis in die Gründungszeit des Klosters in der Mitte des 13. Jahrhunderts zurückreichen und auf besondere Weise das liturgische und spirituelle Leben des Konvents illustrieren – aber auch die vielfältigen Beziehungen zu anderen Klöstern und historischen Persönlichkeiten belegen.

Im Projektteil der SLUB Dresden werden die neuzeitlichen Buchbestände der Klosterbibliothek katalogisiert, teilweise digitalisiert und erstmals provenienzgeschichtlich untersucht. In der SLUB wurden vom 29. Januar bis zum 17. Mai 2025 besonders kostbare Stücke der Klosterbibliothek bereits in einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.

Das Kooperationsprojekt von UB Leipzig und SLUB Dresden arbeitet eng mit dem vom Freistaat Sachsen geförderten Projekt „Saxonia Cisterciensis“ an der Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte (FOVOG) der Technischen Universität Dresden zusammen. Dieses Parallelprojekt untersucht die Beziehungen zwischen den Zisterzienser(innen)klöstern im mittelalterlichen Sachsen und angrenzenden Gebieten (Böhmen und Schlesien) in der Zeit vom 12. bis zum 16. Jahrhundert anhand der archivalischen Überlieferung.

Zum Abschluss des Projekts erscheint eine wissenschaftliche Publikation, die alle Ergebnisse dokumentiert. Projektbegleitend finden öffentliche Veranstaltungen an verschiedenen Orten Sachsens statt.