Archive

2011 wurde das historische Archiv des Felix Meiner Verlags 1944-1965 von Manfred Meiner als Schenkung an die UBL übergeben. Am 1. April 1911 war der Verlag von Felix Meiner (1883-1965) in Leipzig gegründet worden, wo er bis 1951 beheimatet war. Die Tätigkeit des Felix Meiner Verlags begann 1911 mit der Übernahme der 1868 von J. H. v. Kirchmann gegründeten "Philosophischen Bibliothek". Darüber hinaus fand die Arbeit des Verlags durch die Publikation von Gesamtausgaben und historisch-kritischen Editionen wissenschaftliche Anerkennung: Zu nennen sind die Werk- und die Nachlassausgaben von Ernst Cassirer, G. W. F. Hegel, Nikolaus von Kues oder die Tagebücher F. W. J. Schellings. Führende Publikationsreihen wie die "Kant-Forschungen", die "Cassirer-Forschungen", die Beihefte zu den "Hegel-Studien" oder die "Studien zum 18. Jahrhundert" gehören ebenso zum Verlagsprogramm wie bedeutende Fachzeitschriften: das "Archiv für Begriffsgeschichte", das "Deutsche Jahrbuch Philosophie", "Aufklärung", "Phänomenologische Forschungen", die "Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung" und andere. Das historische Verlagsarchiv reicht bis 1944 zurück. Die älteren Bestände gingen am 4. Dezember 1943 durch Kriegseinwirkung verloren. Im Einzelnen besteht das Archiv 1944-1965 des Felix Meiner Verlags aus der umfangreichen Verlagskorrespondenz mit den Autorinnen und Autoren und sonstigen Akten zu den verschiedenen Publikationsreihen, v.a. der "Philosophischen Bibliothek", Sammlungen zur Geschichte des Verlages, Unterlagen zur Zusammenarbeit mit dem Akademie-Verlag, meist Gedächtnisprotokolle verschiedener Familienmitglieder zur Verlagsgeschichte, und Unterlagen zum Umzug des Verlags nach Hamburg. Vier Ordner beinhalten die zähen Auseinandersetzungen mit dem "Kulturellen Beirat" (Zensurkommission in der SBZ). Weitere Unterlagen dokumentieren die Zusammenarbeit der Thyssen Stiftung mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft in den 1950er Jahren zur Publikation und Neuedition von philosophischen Grundlagentexten in der "Philosophischen Bibliothek". Abgerundet wird der Archivbestand durch eine umfangreiche Sammlung von Rezensionsbelegen der Verlagspublikationen. Unterlagen Felix Meiners mit Korrespondenz und Dokumenten zu seiner Person weisen formal über das Verlagsarchiv hinaus.

Nachweisinstrumente

Das Archiv ist durch ein maschinenschriftliches Inventar erschlossen, das in den Sondersammlungen einsehbar ist. Einen ersten Bestandsüberblick bietet:

  • Katharina Hofmann-Polster: Das Archiv des Felix Meiner Verlags an der Universitätsbibliothek Leipzig. In: Leipziger Jahrbuch zur Buchgeschichte 20 (2011/2012), S. 327-334.

Gegründet 1957 von Kurt Petermann als Sammlung traditionell überlieferter Folklore erweiterte sich das Tanzarchiv Leipzig zu einer Dokumentationsstelle zu "allen Gebieten des Tanzes". Bis zu seinem Tod im Jahr 1984 etablierte Petermann das Archiv als eine anerkannte Einrichtung der Auseinandersetzung mit Tanz als kulturellem Phänomen und erreichte 1975 die Angliederung an die Akademie der Künste der DDR. Seit 1993 arbeitete das Tanzarchiv Leipzig als gemeinnütziger Verein, begründet von der Universität Leipzig und der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy". 2011 wurde das Tanzarchiv Leipzig in die Verantwortung der UBL übergeben. Die Bestände gliedern sich in eine Fachbibliothek und die Sammlungen des Tanzarchivs. Dazu gehören Filmaufnahmen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Literatursammlungen, Nachlässe, Plakate, Fotografien, Postkarten, Mikrofilme und Archivmaterial.

Die Bestände sind teilweise in einer Datenbank (Allegro) erschlossen, die im Forschungslesesaal der UBL benutzt werden kann. Monografien und Zeitschriften sind über den Katalog der UBL bestellbar bzw. in der Freihandbibliothek Tanz (Sachgruppe AP) sofort zugänglich. Die Nachlässe des Tanzarchivs werden in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekt im Verbundkatalog Kalliope erschlossen.

Die Unterlagen des Tanzarchivs können im Forschungslesesaal eingesehen werden. Bitte schreiben Sie Ihre Anfragen und Benutzungswünsche an: sondersammlungen@ub.uni-leipzig.de

2014 übernahm die Universitätsbibliothek Leipzig das Archiv des Karl Quarch Verlages Leipzig. Schon 2009 wurde von der Erbin eine Belegsammlung der originalgraphischen Produktion des Verlages als Schenkung übergeben (Signatur: NL 293).

Karl Quarch d. Ä. (20. April 1890–24. Februar 1940) gründete 1919 in Leipzig einen „Verlag und Papierwarengroßhandel“. Nach dem plötzlichen Tod Karl Quarchs übernahm sein gleichnamiger Sohn (20. April 1923–4. November 2007) erst siebzehnjährig die väterliche Firma. Bei dem schweren Luftangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 wurden die Räumlichkeiten des Verlages in der Hainstraße 17/19 vernichtet. Karl Quarch d. J. weitete die Verlagsproduktion erheblich aus. Zunächst wurde die Produktionslinie der Vorkriegszeit fortgesetzt. Tischkarten, Anhänger und Glückwunschkarten wurden im Stahlstichdruckverfahren teils auf Handpressen hergestellt. Mitte der sechziger Jahre wurde die Produktpalette um Künstlergraphik ergänzt. 1966 und 1967 erteilte Karl Quarch erste Aufträge an Leipziger Künstlerinnen und Künstler, die an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) beschäftigt waren oder aus deren Umfeld stammten. Damit hatte Karl Quarch ein erfolgreiches Geschäftsmodell gefunden. Er engagierte junge, hoffnungsvolle Buchkünstlerinnen und Buchkünstler, die Illustrationen für Graphikmappen oder Glückwunschkarten entwarfen. Die wichtigsten für Quarch arbeitenden Graphiker waren Gerhard Kurt Müller, Hans-Joachim Behrendt und Karl-Georg Hirsch. Ende der siebziger Jahre kam Werner Klemke hinzu, einer der bedeutendsten Buchkünstler der DDR.
Nach der Wende mussten die Räume in der Hainstraße aufgegeben werden und Karl Quarch und seine Lebensgefährtin Ingrid Karich, die im Verlag arbeitete, zogen nach Wanfried-Aue in Hessen um, wo mit einigen Buchproduktionen die Verlagstätigkeit weitergeführt wurde.

Der übernommene Bestand bildet die gesamte Breite der Verlagstätigkeit ab und besteht aus mehreren Teilen (Signatur: NL 339): 

  • Geschäftsakten des Verlages seit den frühen fünfziger Jahren bis in die frühen neunziger Jahre, insbesondere Unterlagen zur Produktion, Korrespondenz mit Kunden und Lieferanten, Abrechnungen, Steuerunterlagen usw.
  • Wenige private Unterlagen Karl Quarchs sowie Projektentwürfe und Materialsammlungen; hierbei findet sich auch Privatkorrespondenz von Karl Quarch und Ingrid Karich.
  • Typenmaterial und Druckstöcke (Holzdruckstöcke, Stahlstichplatten, Klischees, Kupferstichplatten und verschiedene Druckvorstufen der Offsetlithographie).
  • Die noch vorhandene graphische Verlagsproduktion.
  • Sammlung mit Verlagsanzeigen aus DDR-Zeit.
  • Publikationen und Zeitungsausschnitte zum Karl Quarch Verlag.
  • Fotografien Karl Quarchs (insbesondere Naturbilder).

Der gesamte Bestand ist im Verbundkatalog Kalliope nachgewiesen, die Belegsammlung der Verlagsproduktion im SWB.

Literatur

Fuchs, Thomas/Hochrein, Martin: Politische Literatur: 50 Jahre MÄRZ Verlag. Unpolitische Kunst: 100 Jahre Karl Quarch Verlag; Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek Leipzig 05.07.–03.11.2019, Leipzig 2019.

Seit 2019 übernimmt die Universitätsbibliothek in mehreren Etappen über die MÄRZ Gesellschaft e.V. Berlin Unterlagen des März Verlages, darunter die MÄRZ-Erst- und Lizenzausgaben, Sekundärliteratur, Herstellungs-, Vertriebs- sowie Buchhaltungs- und Firmenunterlagen übernommen. Außerdem erhält die UB Leipzig die Korrespondenz und alle Redaktionszustände der Folgen von ›Schröder erzählt‹ seit 2005 sowie MÄRZ-affine Kunstwerke – also praktisch alles, was mit dem Lebenswerk der Verleger Jörg Schröder und Barbara Kalender zusammenhängt. Dazu gehört auch das grafische Werk von Jörg Schröder.Markenzeichen des 1969 von Jürgen Schröder gegründeten MÄRZ Verlages sind die signalgelben Bände mit rotem „MÄRZ“-Schriftzug. Der MÄRZ-Verlag gilt als Synonym für eine literarische Gegenkultur. Gemäß dem Motto „Immer radikal, niemals konsequent“ avancierte der Verlag zu einem wichtigen Wegbereiter der politischen Literatur, avantgardistischer Kunst und Popkultur in Deutschland. Mit seinem „Siegfried“ publizierte Jörg Schröder einen Meilenstein der modernen deutschen Erzählliteratur, dem mit der Publikationsfolge „Schröder erzählt“ eine literarische Fortsetzung bis in die Gegenwart folgte.

Die privaten Unterlagen Jörg Schröders unterliegen für die Benutzung einer Sperrschrift. Die Bücher werden sukzessive in den SWB katalogisiert. Die Erschließung der Akten erfolgt in die Datenbank Kalliope nach der Übernahme des Gesamtbestandes, die wahrscheinlich Anfang 2021 abgeschlossen sein wird.

Literatur

Fuchs, Thomas/Hochrein, Martin: Politische Literatur: 50 Jahre MÄRZ Verlag. Unpolitische Kunst: 100 Jahre Karl Quarch Verlag; Katalog zur Ausstellung der Universitätsbibliothek Leipzig 05.07.–03.11.2019, Leipzig 2019

Fuchs, Thomas: März. Eine bundesdeutsche Geschichte, in: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie 237 (2020), S. 4–18