Aufbau einer Suchoberfläche zur Erschließung und Erforschung der Daten aus dem Fernseh-Produktionsarchiv des ZDF

Die Beschäftigung mit Fernseh-, Film-, und Hörfunkproduktionen hat sich in den Wissenschaften in den letzten Jahren stark intensiviert, weil audiovisuelle Medien (kurz: AV-Medien) längst kulturprägenden Charakter gewonnen haben und auf neue Forschungsinteressen treffen. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten besitzen Produktionsarchive, in denen Sendungen und Beiträge archiviert werden und die damit ein audiovisuelles Kulturgut Deutschlands darstellen. Der kommunikations- und medienwissenschaftlichen Forschung fehlt aber bis heute ein einfach zu bedienender und online zugänglicher Recherche-Zugang zu diesen Archiven.

Die Universitätsbibliothek Leipzig entwickelt daher eine Anwendung auf Suchmaschinenbasis, die Archivdaten des ZDF technisch indexiert und für die wissenschaftliche Recherche zugänglich macht, Ergebnislisten erzeugt und graphische Visualisierungen ermöglicht. Wichtiges Anliegen des Projekts ist es, kulturgut-relevante Sendungsdaten für die Forschung zu öffnen und zugleich die Datenauswertung gegen Missbrauch zu sichern.

Das Projekt will das Archiv des ZDF so zugänglich machen, dass nicht nur einzelne Beiträge und Produktionen eruiert werden können, sondern auch Recherchen über die gesamte Produktion möglich werden. Analog zur Deutschen Nationalbibliografie, welche sich auf veröffentlichte Werke beschränkt, sollen nur Werke berücksichtigt werden, die durch die Rundfunkanstalt in irgendeiner Form veröffentlicht (d. h. in der Regel ein- oder mehrmals gesendet oder öffentlich zugänglich gemacht) wurden. Ziel im engeren Sinn ist es, für die Wissenschaft eine doppelte Abfrageform zu etablieren, nämlich einmal eine Bestandsrecherche und zum anderen eine komplexe Suchanfrage mit Auswertungs-, Darstellungs- und Exportmöglichkeiten der Katalogdaten als Forschungsdaten.

Damit eröffnen sich gleich zwei Möglichkeiten der wissenschaftlichen Nutzung. Zum einen ist es überhaupt erstmals möglich, ein Produktionsarchiv einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt von außerhalb recherchierbar zu machen. Zusätzlich geht der Index über die Funktion eines bloßen Bestandsnachweises hinaus und schafft so einen zusätzlichen Mehrwert, um Forschungsdaten zu gewinnen.

Das Projekt versteht sich als Pilotvorhaben, weil die darin geschaffene Anwendung inhaltlich so nachgenutzt werden kann, dass sie für weitere Datengeber offen ist und so bis hin zu einer möglichen ‚Deutschen Mediografie‘ erweiterbar ist. Das Projekt nutzt die Kompetenz der UB Leipzig beim Aufbau und Betrieb einer medienspezifischen Suchmaschine sowie die Kompetenzen der im von der UBL betriebenen FID adlr.link registrierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.