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Private Sammlungen

Die zehn Bände der Flora Graeca (Oxford 1806–1847) gehören zu den wertvollsten Stücken einer Sammlung von Pflanzenbüchern, die Rudolf Benno von Römer (1803–1871) testamentarisch der Universitätsbibliothek vermachte. Diese hat im Laufe ihrer Geschichte zahlreiche wissenschaftliche Bibliotheken übernommen. 

Die Abbildung (Slider, Abb. 1) zeigt das Stephanskraut (Delphinium staphisagria L.), eine giftige Pflanze, die im Mittelmeerraum verbreitet ist. Das Stephanskraut ist schon seit der Antike bekannt und wurde als Heilpflanze geschätzt. Die alternativen deutschen Namen Läusepfeffer oder Läusezahn verweisen auf den Einsatz im Kampf gegen Kopfläuse.
Die Abbildung ist in einem zehnbändigen englischen Werk zur griechischen Pflanzenwelt erschienen, das in jahrelanger Arbeit nach strengsten Maßstäben der botanischen Genauigkeit erstellt wurde. Die 'Griechische Blumenwelt' (Flora graeca) erschien in Oxford zwischen 1806 und 1840. Das Werk wurde von John Sibthorp (1758–1796) beauftragt und bezahlt. Der Druck war testamentarisch auch nach seinem frühen Tod gesichert. Sibthorp hatte in seiner Jugend Griechenland bereist, in Begleitung des österreichischen Pflanzenzeichners Ferdinand Bauer (1760–1826). Von Bauer stammen 1.000 farbige Abbildungen, die als Vorlagen dienten; er organisierte auch den Druck der Flora graeca, die zugleich eine Sammlung handgemalter Pflanzenbilder darstellt. Die sehr geringe Gesamtauflage von weniger als 30 Exemplaren macht die Flora Graeca bis heute zu einem der kostbarsten botanischen Werke des 19. Jahrhunderts.

Rudolph Benno von Römer (1803–1871; Slider, Abb. 2) war sächsischer Rittergutsbesitzer und zugleich ein großer Sammler. Von 1836 bis 1864 war er Abgeordneter im Sächsischen Landtag.
Römer studierte als junger Mann an der Universität Leipzig und belegte Vorlesungen unter anderem auch in Botanik. Im Bestand der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek befinden sich zwei seiner Vorlesungsnachschriften aus den Jahren 1822/23 und 1823/24. Offensichtlich beginnt in dieser Zeit die Freundschaft des Studenten von Römer mit dem zehn Jahre älteren Botanikprofessor Gustav Kunze (1793–1851).
Römer wurde aus botanischen Interessen heraus zum Sammler von über 2.000 zum Teil sehr wertvollen Pflanzenbüchern, darunter auch die Flora graeca, und schließlich zum großzügigen Schenker der Sammlung. Es ist der freundschaftlichen Verbindung mit Gustav Kunze zu verdanken, dass die Universitätsbibliothek Leipzig nach dem Tod Römers dessen Pflanzenbuchsammlung erhielt. Schon 1859 hatte Römer in seinem Testament selbst festgelegt, dass die botanische Bibliothek, seine übrigen Bücher, das Herbarium sowie die Autografensammlung nebst einer beträchtlichen Geldsumme für die Universität Leipzig bestimmt waren.
Zusammen mit der 1813 aufgenommenen medizinischen Büchersammlung von Johann Carl Gehler und der 1851 vermachten Bibliothek des Botanikers Gustav Kunze macht die Pflanzenbuchsammlung Römers die Universitätsbibliothek Leipzig zu einer bereits im 19. Jahrhundert einschlägigen Fachbibliothek für Botanik und verwandter Disziplinen.

(Slider, Abb. 3) Der Bestand der Universitätsbibliothek ist bis weit ins 19. Jahrhundert hinein durch die Übernahme fremder Sammlungen gewachsen. Seit dem 18. Jahrhundert stieg der Zugang privater Sammlungen stetig an und erreichte im späten 19. Jahrhundert seinen Höhepunkt. Private Sammeltätigkeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie zielgerichtet ist. Für die Bibliothek bietet die Übernahme privater Kollektionen eine einzigartige Möglichkeit, ihren Bestand zu profilieren.
Die planvolle Übernahme privater Sammlungen begründet die überragende Bedeutung des Bestandes der Universitätsbibliothek. Drei Beispiele können dies verdeutlichen: historische Literatur in slawischen Sprachen, chinesische Drucke und botanische Bücher. Die Sammlungen zu Drucken in slawischen Sprachen basieren auf der Übernahme der Bibliothek des Professors für Slawische Sprachen an der Universität Leipzig August Leskien (1840–1916). 1917 kaufte die Universitätsbibliothek die Bibliothek Leskiens mit rund 16.000 Bänden. Dies war der Grundstock für eine Spezialsammlung slawischer Literatur. Ähnlich verlief die Bestandsentwicklung bei chinesischen Drucken. Durch die Übernahme der Bibliotheken des Professors für ostasiatische Sprachen in Leipzig Wilhelm Grube (1855–1908) und des Berliner Tibetologen Hermann Franke (1870–1930) wurde in Leipzig die drittgrößte Sinicasammlung Deutschlands aufgebaut. Und schließlich ermöglichte die Schenkung der botanischen Bibliothek von Rudolf Benno von Römer (1803–1871) die Profilierung im Bereich seltener naturkundlicher Bücher.
Neben thematisch ausgerichteten Kollektionen gibt es personenbezogene, bibliophile Sammlungen, wie die Goethe-Sammlung des Leipziger Verlegers Salomon Hirzel (1804–1877). Mit dieser Sammlung hält die Universitätsbibliothek außerhalb Weimars die größte Anzahl von Schriftzeugnissen aus der Feder von Goethe selbst. Weitere Spezialsammlungen sind die Ibsen-Sammlung des amerikanischen Journalisten Henry Louis Mencken (1880–1956), die neben Werkausgaben und Briefen Ibsens auch Dokumente zur Aufführung von Ibsen-Stücken in den USA enthält. Weiterhin zu nennen sind die Sammlungen zum Fauststoff von Julius Bode (1812–1892) und die Hermann Hesse-Sammlung von Wilhelm Theil (1877–1962) mit Erstausgaben, Briefen, Widmungen und Zeichnungen des Schriftstellers. Ein aktuelles Beispiel für eine Privatsammlung ist die der Familie Wustmann, die 2011 an die Universitätsbibliothek gekommen ist und das Leben des Leipziger Bürgertums im 18. und 19. Jahrhundert dokumentiert.

Aus privaten Sammlungen stammen auch die meisten Autografensammlungen der Universitätsbibliothek. Getragen von dem Gedanken, dass sich das Genie eines Menschen an seiner Handschrift erkennen lasse, wurde das Autografensammeln seit der Aufklärung zu einer beliebten Beschäftigung im Bildungsbürgertum. Es kamen immer wieder bedeutende Sammlungen an die Universitätsbibliothek, darunter als größte und bedeutendste die 1892 testamentarisch vermachte Sammlung des in Dresden lebenden Privatgelehrten Georg Wilhelm Eduard Kestner (1805-1892) und seiner Frau Sophia Kestner (†1892). Weitere bedeutende Autografensammlungen kamen durch den Parlamentsabgeordneten und Privatgelehrten Rudolf Benno von Römer (1803-1870), durch die Sammlung des Leipziger Verlegers Felix August Matthias Liebeskind (1837-1898) und die Sammlung des Rostocker Oberveterinärrats Dr. Paul Nebauer (*1912) in die Universitätsbibliothek.
In der Universitätsbibliothek selbst wurden seit dem späten 19. Jahrhundert mehrere Autografensammlungen angelegt. Mit der Übernahme der Sonderbestände der Stadtbibliothek 1962 kamen Autografensammlungen der Stadt Leipzig an die Universitätsbibliothek. Die 10.500 Stücke umfassende Sammlung von Kurt Taut (1888-1939), Leiter der Musikbibliothek Peters in Leipzig, hat ihren Schwerpunkt in den Bereichen Kunst und Wissenschaft. Hervorzuheben sind die Autografensammlungen des Leipziger Verlagsbuchhändlers Edwin Bormann (1851-1912) sowie des Direktors der Kunstakademie in Düsseldorf Eduard Julius Friedrich Bendemann (1811-1889).

Theaterzettel aus der Sammlung Mencken, 1891 (Slider, Abb. 4)
[Ms 2847:14]
Zu den der Universitätsbibliothek Leipzig persönlich verbundenen Stiftern des 20. Jahrhunderts gehört der Deutschamerikaner Henry Louis Mencken (1880–1956). Er war ein Nachkomme der alten Leipziger Gelehrtenfamilie Mencke. Seine umfangreiche Sammlung zu Henrik Ibsen und seinem Werk kam 1928 in die Universitätsbibliothek. Sie enthält Ausgaben von sämtlichen Werken und Briefen Ibsens. Ein besonderer Schwerpunkt sind Übersetzungen, die die weltweite Bedeutung der Werke Ibsens dokumentieren. Ferner enthält die Sammlung zwei Autografen von Henrik Ibsen, eine große Sammlung von Aufsätzen, Zeitungsausschnitte zu einzelnen Stücken, Rezensionen, Exzerpte, Plakate, Theaterzettel, Briefe von Schauspielern und Unterlagen zu Ibsens Sohn Sigurd (1859–1930).


Georg Kestner in seinem Arbeitszimmer, 1887 (Slider, Abb. 5)
[Slg. Kestner/1/1/3]
Die Sammlung Kestner ist ein Universum für sich. Rund 40.000 originale Dokumente vom späten Mittelalter bis zum späten 19. Jahrhundert aus allen Teilen der westlichen Welt wurden von Georg Kestner (1805–1892) zusammengetragen, ungefähr 4.000 Porträtstiche sowie eine Vielzahl von Beilagen, insbesondere historische Drucke, Stammbücher und Zeitungsausschnitte, die er testamentarisch der Universitätsbibliothek vermachte. Nach seiner Pensionierung 1865 siedelte er als Privatgelehrter nach Dresden über. Die Fotografie zeigt Kestner 1887 im Arbeitszimmer seines Wohnhauses bei der Arbeit an seiner Sammlung. Auf dem Tisch hinter ihm stehen einige Kisten seiner Sammlung.


Alfred Brehm: Albumblatt, 22. März 1884 (Slider, Abb. 6)
[Slg. Nebauer/W/A-Da/W67]
Brehms Tierleben wird bis heute als Synonym für populärwissenschaftliche zoologische Literatur verwendet. Alfred Brehm (1829–1884) notierte in das Album eines unbekannten Albumbesitzers am 22. März 1884 den Wahlspruch 'Thierkunde ist ein Beitrag zur Kunde des Menschen'.


Johann Wolfgang von Goethe: Landschaftszeichnung, vor 1814 (Slider, Abb. 7)
[Slg. Hirzel, B 336, Bl. 1a]
Die Goethe-Sammlung des Leipziger Verlegers Salomon Hirzel (1804–1877) war schon zu Lebzeiten des Sammlers weltberühmt. Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war der wohl am meisten verehrte deutsche Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Entsprechend begehrt waren handschriftliche Zeugnisse des Meisters. Nur mit erheblichem finanziellen Aufwand war es Hirzel gelungen, die Sammlung zusammenzutragen. Die Zeichnung einer Landschaft gehört zu einem Konvolut von fünf Blättern mit Landschaftszeichnungen entstanden vor 1814.


Postkarte von Richard Strauss, Garmisch, 10. Juni 1927 (Slider, Abb. 8)
[Kurt-Taut-Slg./1279/Nr. 61]
Richard Strauss (1846–1949) war einer der bedeutendsten Komponisten und Dirigenten des späten 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Autografensammlung von Kurt Taut (1888–1938), Leiter der Musikbibliothek Peters, enthält eine große Anzahl von Musikerautografen. In dieser Postkarte schrieb Strauss eine kurze Notiz an den Leipziger Kapellmeister Otto Singer (1863–1931). Auf der Rückseite findet sich eine Fotografie des Wohnhauses von Strauss in Garmisch. Im Vordergrund sind Richard Strauss und seine Ehefrau Pauline Maria de Ahna (1863–1950) zu sehen.