Schauraum Papyrus Ebers

Die Universitätsbibliothek Leipzig bewahrt die größte und einzig vollständig überlieferte medizinische Papyrusrolle Altägyptens auf, die der Leipziger Ägyptologe Georg Ebers 1873 für die Universitätsbibliothek erworben hatte. Ebers ließ 1875 den in hieratischer Schrift geschriebenen Text drucken.

Seit 2017 ist der komplette Text mit Übersetzung aller Rezepte auf Deutsch und Englisch online. Seit 2021 kann eine Replik der 18,63 m langen Papyrusrolle in einem eigenen Schauraum im Foyer der Bibliotheca Albertina besichtigt werden. (Publikation zum Schauraum Papyrus Ebers)

Der Papyrus Ebers in der Universitätsbibliothek Leipzig

In der Bibliotheca Albertina wird der Papyrus Ebers heute unter ganz besonderen konservatorischen Bedingungen aufbewahrt. Licht und zu hohe Luftfeuchtigkeit sind die größten Gefahren für Texte auf Papyrus. Daher wurde die Rolle bereits im 19. Jahrhundert in 29 Teile zerschnitten und unter Glas gebracht, aufbewahrt in einem eigenen Schrank. Vermutlich in den 1920er und 1930er Jahren wurden die Tafeln XXVIII und XXIX zu einer etwa 2,50 m langen Tafel zusammengefügt und in der Bibliotheca Albertina dauerhaft ausgestellt.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Papyrus Ebers zunächst im Tresor der Deutschen Bank Leipzig aufbewahrt, später nach Schloss Rochlitz (60 km südöstlich von Leipzig) ausgelagert. Seit seiner Auslagerung 1945 sind einige Kolumnen verloren oder beschädigt.

Der Papyrus Ebers befand sich vermutlich – bis auf die Schlusstafel und die verlorenen Teile – in seiner originalen Verglasung von 1873, als er 2001 das erste Mal neu verglast wurde. Notwendig wurden diese konservatorischen Arbeiten aufgrund der nicht mehr sicheren und nicht klimagerechten Aufbewahrung. Denn zuvor waren die 28 Teile – bis auf Tafel I mit dem Kalender auf der Rückseite und die beiden Tafeln XXVIII und XXIX mit Text zusätzlich auf der Rückseite – auf säurehaltigen Karton geklebt und in Bilderrahmen aus Holz weitgehend luftdicht abgeschlossen. Diese Art der Montage führte zu Spannungen an Klebstellen und zu leichten Rissen in den fragmentarischen Teilen. Beschädigte Restfragmente, welche sich durch die kriegsbedingte Auslagerung noch in einer provisorischen Verglasung befanden, wurden damals ebenfalls erneuert. Zu dieser neueren Verglasung gehörten auch atmungsfähige Eckstücke, die von der Verklebung freigehalten wurden. Das war aber noch nicht die letzte Aktion. Neueste Erkenntnisse zur Unterglasbewahrung ohne Gefahr chemischer Reaktionen führten dazu, dass 2020 der Papyrus Ebers erneut umverglast wurde, diesmal in ein chemisch stabiles Sicherheitsglas. Das Original des Papyrus Ebers befindet sich heute verglast in stoßsicheren Verpackungen im Tresor der Bibliotheca Albertina.

Die digitale Replik des Papyrus Ebers (www.papyrusebers.de) wurde 2016 erstellt und nutzt die Technologie von IIIF (International Image Interoperability Framework), die sowohl eine Ansicht als virtuell zusammengesetzte Rolle erlaubt als auch die stufenlose Hochvergrößerung an beliebigen Stellen bis hin zu Detaildarstellungen. Die seit 1946 fehlenden und aus dem Druck von 1875 ergänzten Textteile sind am helleren Hintergrund erkennbar. Die Übersetzung aller Rezepte kann durch Anklicken einzelner Textstellen auf Deutsch oder Englisch sichtbar gemacht werden. Diese digitale Replik wurde durch verschiedene Sponsoren ermöglicht. 2021 wurde die Übersetzung von Lutz Popko eingefügt, in ihrer deutschen und englischen Version.

Die physische Replik des Papyrus Ebers wurde 2021 fertiggestellt und ist in einem eigenen Schauraum im Foyer der Bibliotheca Albertina zu sehen. Die Replik des Papyrus Ebers wurde durch Siebdruck auf echtem Papyrus realisiert, was einen originalgetreuen Eindruck der gesamten Rolle erzeugt, wie sie nach ihrer erstmaligen Fertigstellung ausgesehen haben mag. Die Replik des Papyrus Ebers ist vollkommen ausgerollt in einer elf Meter langen Vitrine von beiden Seiten zu sehen.

Der Schauraum für die Replik des Papyrus Ebers wurde hauptsächlich durch ein Fundraising ermöglicht, das 2019 und 2020 stattfand und am Ende vier Sponsoren sowie über 80 Spenderinnen und Spender zählte, die für das Vorhaben eine hohe fünfstellige Summe zur Verfügung stellten. (s. auch Broschüre)

Mit den verschiedenen Repliken des Papyrus Ebers wird die Tat von Georg Ebers wiederholt, der den Text der von ihm gefundenen, gekauften und nach Leipzig gebrachten Papyrusrolle 1875 erstmals drucken ließ. Neben der digitalen Gestalt und der physischen im Schauraum gibt es seit 2021 ein gedrucktes Faksimile der Kolumnen mit der neuen Übersetzung von Lutz Popko, verlegt bei der wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt, mit erläuternden Essays von Lutz Popko, Ulrich Johannes Schneider und Reinhold Scholl. 

  • Der Papyrus Ebers ist seit 2016 mit IIIF-Technologie als digitales Faksimile online und kann hier angesehen werden: https://papyrusebers.de. Der gesamte Text ist dort in der deutschen Übersetzung durch Lutz Popko und in der englischen Fassung von Andrea Sinclair Rezept für Rezept aufrufbar.
  • Ägyptisches Museum der Universität Leipzig