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Leipziger Papyrus- und Ostrakasammlung

Bestand

Die Gründung der Papyrus- und Ostrakasammlung geht auf das Jahr 1902 zurück (vgl. unten Geschichte, jüngere Vergangenheit und Gegenwart). Sie umfasst ca. 5.000 Objekte, ca. 3.500 davon aus Papyrus, einige wenige auch aus Pergament, Papier und Leinen. Außerdem gehören ca. 1.500 Ostraka, also beschriebene Tonscherben, zur Sammlung der Universitätsbibliothek Leipzig. Die Stücke sind meistens auf Griechisch beschrieben, einige andere auf Arabisch, Koptisch, Lateinisch, Demotisch und Hieratisch. Erwähnenswert sind die zweisprachigen, die bilinguen Stücke, wie z. B. griechisch-lateinische Papyri und griechisch-demotische Ostraka.

Der überwiegende Teil der Sammlung dokumentiert das Alltagsleben im Alten Ägypten Diese Papyri werden daher als dokumentarische Papyri bezeichnet. Bei knapp 100 Sammlungsobjekten handelt es sich dagegen um literarische Papyri. Die Sammlung ist nahezu vollständig im Papyrusportal erfasst. In bisher zwei Publikationsbänden (P.Lips. I und II) sowie in Sammelbänden und Zeitschriften wurden Leipziger Papyri und Ostraka publiziert. Ein dritter P.Lips.-Band ist in Vorbereitung (2020).

digital

analog

  • Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Herausgegeben, mit Inhaltsangabe u. Einleitung versehen von Georg Ebers. Mit hieroglyphisch. lateinischem Glossar von Ludwig Stern; Bd. 1–2; Bd.1. Einleitung und Text, Tafel I-LXIX – Bd.2. Glossar und Text, Tafel LXX-CX, Leipzig 1875.
  • Carl Wessely, Die griechischen Papyri der Leipziger Universitätsbibliothek, Leipzig 1885 (Verhandlungen der königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 37, S. 237–75, Nr. 1–35) P. Leipz.
  • Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig, Band 1 mit Beiträgen von Ulrich Wilcken hrsg. von Ludwig Mitteis, Leipzig 1906 (P.Lips. I).
  • Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig (P.Lips. II), hrsg. von Ruth Duttenhöfer mit einem Beitrag von Reinhold Scholl, K.G. Saur München und Leipzig 2002 (Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft 10).
  • Reinhold Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens, Leipzig 2002 (Schriften aus Universitätsbibliothek 7).

Folgende Beiträge beschäftigen sich mit einzelnen Objekten der Papyrus- und Ostrakasammlung:

  • Nadine Quenouille, The Gerontios-Archive – A sub-archive of the Abinnaeus-Archive?", in:  27th International Congress of Papyrology, Warsaw 29.07. – 03.08.2013, Universität Warschau (im Druck). (O.Lips.Inv. 9945, 950, 992, 998, 1001, 1002, 1003, 1004, 1005, 1006, 1007, 1086).
  • Nadine Quenouille, Robert Sobott, Christoph Berthold und Klaus Bente, Zerstörungsfreie naturwissenschaftliche Untersuchungen an Ostraka aus der Sammlung der Universitätsbibliothek Leipzig (Bibliotheca Albertina), in: B. Ramminger / O. Stilborg / M. Helfert (Edd.): Naturwissenschaftliche Analysen vor- und frühgeschichtlicher Keramik 3. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 238, Bonn 2013,. 289-304. (O.Lips.Inv. 9945, 950, 992, 998, 1001, 1002, 1003, 1004, 1005, 1006, 1007, 1086).
  • Nadine Quenouille, Aus dem Fayyûm nach Leipzig – Überblick über den Bestand und Edition dreier unveröffentlichter Zeugnisse in der Leipziger Papyrussammlung, in: C. Arlt / M. Stadler (Edd.), Das Fayyûm in Hellenismus und Kaiserzeit. Fallstudien zu multikulturellem Leben in der Antike, Wiesbaden 2013, 141–158. (P.Lips.Inv. 593 R, 1125+1409 R, 1221 R+V).
  • Jörg Graf, Papyrusrestaurierung an der Universitätsbibliothek, in: Das Buch in Antike, Mittelalter und Neuzeit, Sonderbestände der Universitätsbibliothek Leipzig, hrsg. v. Th. Fuchs, C. Mackert und R. Scholl, Harrassowitz Verlag Wiesbaden, 2012, S.61–69.
  • Nadine Quenouille, Gemeinsame Inventarisierung, Katalogisierung und Digitalisierung der Ostrakasammlungen in Halle, Jena und Leipzig für das „Papyrusportal Deutschland“, in: T. Fuchs / C. Mackert / R. Scholl (Edd.), Das Buch in Antike, Mittelalter und Neuzeit Sonderbestände der Universitätsbibliothek Leipzig, Leipzig 2012, 55–60.
  • Nadine Quenouille, La collection d’ostraca de la bibliothèque de l’Université de Leipzig, in: P. Schubert (Ed.), Nadine Quenouille Actes du 26e Congrès international de papyrologie. Genève 16-21 août 2010, Genf 2012, 635-638. Nadine Quenouille, Kinder, Sklaven, Kindersklaven? Abrechnung für Arbeiten auf einem Landgut (O.Lips. Inv. 763+949), in: L. Popko / N. Quenouille / M. Rücker (Edd.), Doulika Erga. Festschrift für Reinhold Scholl zum 60. Geburtstag (Archiv für Papyrusforschung, Beiheft 33), Berlin 2012, 204–218. (O.Lips.Inv. 763+949).
  • Nadine Quenouille zusammen mit R. Scholl, Scherben bringen Glück... Digitale Präsentation der mitteldeutschen Ostrakasammlungen im "Papyrusportal Deutschland", in: BIS Jg. 3/2,2010, 120–121.).
  • Nadine Quenouille, "...Deine Frau wird bei Dir ausharren bis zum Greisenalter..." Religion und Magie, in: R. Scholl (Ed.), Vergraben, verloren, gefunden, erforscht. Papyrusschätze in Leipzig. Katalog zur Ausstellung. Universitätsbibliothek Leipzig 18. Juni bis 26. September 2010 (Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig 20), Leipzig 2010, 52–57.
  • Nadine Quenouille zusammen mit R. Scholl, "...Heureka..." oder die Geschichte der Papyrussammlung: Erwerbung und Erforschung, in: R. Scholl (Ed.), Vergraben, verloren, gefunden, erforscht. Papyrusschätze in Leipzig. Katalog zur Ausstellung. Universitätsbibliothek Leipzig 18. Juni bis 26. September 2010 (Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig 20), Leipzig 2010, 6–9.
  • Daniela Colomo, Lutz Popko, Michaela Rücker, Reinhold Scholl: Die älteste Weltchronik, Europa, die Sintflut und das Lamm, In: Archiv für Papyrusforschung 56/1, 2010, S. 1–25. Reinhold Scholl, Streit wegen schlechter Behandlung der Ehefrau (?) (P. Lips. Inv. 1452 V), in: "...vor dem Papyrus sind alle gleich!", in: Papyrologische Beiträge zu Ehren von Bärbel Kramer (P. Kramer), hsrg. v. R. Eberhard, H. Kockelmann, S. Pfeifer u. M. Schentuleit (Archiv für Papyrusforschung Beiheft 27), Berlin, New York 2009, 228–233, mit Taf. XIII.
  • Reinhold Scholl und Margit Homann, Gesucht und gefunden. Amtliche (?) Anweisung zur Unterlassung von Belästigung, Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete 55, 2009, 462–469, Taf. XXX (P. Poethke 36).
  • Jörg Graf und Fabian Schumacher, Möglichkeiten der Ionenchromatografie. Identifizierung und quantitative Bestimmung wasserlöslicher Ablagerungen auf Papyrus-Fragmenten, in: Zeitschrift Restauro 4, 2008, S. 242–248.
  • Jörg Graf und Myriam Krutzsch, Ägypten lesbar machen – die klassische Konservierung/Restaurierung von Papyri und neuere Verfahren. Beiträge des 1. Internationalen Workshops der Papyrusrestauratoren Leipzig, 7.–9. September 2006, hrsg. v. Jörg Graf und Myriam Krutzsch (Archiv für Papyrusforschung, Beih. 24), Berlin, New York 2008, S. 28–33.
  • Reinhold Scholl, Texte aus dem historischen Umfeld des Codex Sinaiticus, in: Codex Sinaitcus. Geschichte und Erschließung der "Sinai-Bibel", Hrsg. U.J. Schneider, Leipzig 2006, 31–36.
  • Daniela Colomo u. Reinhold Scholl, L' «Ad Demonicum» in un nuovo esercizio scolastico (P.Lips. Inv. 1027, «Ad Dem.» 2–3), in: Papiri Filosofici, Miscellanea di Studi V, Firenze 2007, 3–14, Tav.
  • Reinhold Scholl, Ein Syntagma der Jäger, Ancient Society 36, 2006, 97–109. (Edition von P.Lips. Inv. 1452R).
  • Daniela Colomo u. Reinhold Scholl, Psalmen und Rechnungen: P.Bonn. Inv. 147 + P.Lips. I 97, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 153, 2005, 163–167.
  • Jörg Graf, Ein Papyruskonvolut wird lesbar, Kiste A der Papyrussammlung der Universitätsbibliothek Leipzig, Zeitschrift Restauro 8/ Dezember 2004 S. 527–531.
  • Reinhold Scholl u. Charlotte Schubert, Lex Hadriana de agris rudibus und lex Manciana, Archiv für Papyrusforschung 50/1, 2004, 79–84.
  • Reinhold Scholl, "Freilassung unter Freunden" im römischen Ägypten, in: Fünfzig Jahre Forschungen zur antiken Sklaverei an der Mainzer Akademie 1950–2000. Miscellanea zum Jubiläum, hrsg. von H. Bellen und H. Heinen, Stuttgart 2001, S. 159–169.
  • Wolfgang Luppe und Reinhold Scholl, Ein Leipziger Mythologie-Papyrus (P. Lips. inv. 1390), Archiv für Papyrusforschung 47, 2001, 4–18, mit Taf. II–III.
  • Wolfgang Luppe, Ein Leipziger Epigramm-Papyrus (P. Lips. inv. 1445 verso), Archiv für Papyrusforschung 48, 2002, 197-206, mit Taf. XXII-XXIV.
  • Reinhold Scholl, Ein >Bibliotheksdirektor< und seine >Bibliothekare<. Ein >Geschäftsgang< aus dem römischen Ägypten, in: Von Alexandrien nach Leipzig. Erschließung von Papyri und Handschriften in der Universitätsbibliothek, Leipzig 2000 (Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig 5), S. 7–12 mit Titelblatt.

Die ersten Papyri waren durch den Theologen Konstantin von Tischendorf nach Leipzig gebracht worden. Ihm verdankt die Universitätsbibliothek Leipzig auch Teile des Codex Sinaiticus, eine der bedeutendsten griechischen Bibelhandschriften aus dem 4. Jh. Einige dieser ersten Papyri wurden von Carl Wessely, Die griechischen Papyri der Leipziger Universitätsbibliothek, Leipzig 1885 (Verhandlungen der königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 37, S. 237–75, Nr. 1–35) veröffentlicht. Sie werden in der wissenschaftlichen Literatur unter der Abkürzung P. Leipz. geführt. Die Originalpapyri wurden in ein Druckexemplar dieser Ausgabe eingeklebt, was einen einzigartigen Fall in der Papyrologie darstellt.

Drei Institutionen waren an dem Zustandekommen der Leipziger Papyrussammlung beteiligt: Das sächsische Staatsministerium für Kultus und öffentlichen Unterricht, die Königlich Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften sowie die Verwaltung der Albrechtstiftung zu Leipzig. Diese drei haben die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt, aus denen seit dem Sommer 1902 aus Ägypten stammende Papyri, die meisten davon griechisch geschrieben, erworben wurden. Zur gleichen Zeit hatten sich auch verschiedene Bibliotheken, Museen und sonstige Institute sowie auch Privatpersonen zu einem Kartell, dem Deutschen Papyruskartell, zusammengeschlossen, um in Ägypten Papyri zu erwerben, u.a. auch mit Mitteln des Nobelpreises, den Theodor Mommsen erhalten hatte und von dem er den Leipzigern für den Ankauf von Papyri einen Teil als Spende zur Verfügung stellte.

Leipzig wurde ein Zentrum der Papyrusforschung, wozu nicht zuletzt die Lehrstuhlinhaber des Faches Alte Geschichte beitrugen. Besonders die Berufung von Ulrich Wilcken im Jahr 1906 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Alte Geschichte ist hier zu nennen. Ulrich Wilcken, ein Schüler Theodor Mommsens, gilt zurecht als Begründer der wissenschaftlichen Papyrologie. Er gab seit 1900 die von ihm gegründete Zeitschrift "Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete" (APF) heraus. Zusammen mit dem Leipziger Rechtshistoriker Ludwig Mitteis brachte er die Edition Leipziger Papyri unter dem Titel "Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig", Leipzig 1906 (= P.Lips. I) zuwege. In diesem Band sind 107 Papyri und 16 Ostraka ediert, mit kurzer äußerer Beschreibung, dem griechischen Text und einem Kommentar. In der Folgezeit wurden weitere Texte von verschiedenen Bearbeitern in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Wilhelm Schubart, der damalige Nestor der Papyrologie, auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte berufen. Über Jahrzehnte fand jedoch die Papyrussammlung weder einen konservatorischen noch einen wissenschaftlichen Bearbeiter. Der größte Teil der Papyri lagerte daher weiterhin in den originalen Transportbehältnissen des Deutschen Papyruskartells.

Die Leipziger Papyrussammlung bestand demnach über lange Zeit aus zwei unterschiedlich großen Teilen. Den konservatorisch und papyrologisch gut erschlossenen Teil bildeten etwas mehr als 1.000 geglättete und verglaste Papyri, die mit einer Inventarnummer versehen und der Wissenschaft zugänglich waren. Gleich zu Beginn der Sammlung war ein Inventarbuch begonnen worden. Später, am Anfang und in der Mitte der 1930er Jahre begann man mit katalogartigen Kurzbeschreibungen, durch die 650 Texte erfasst wurden. Da es vor Ort keinen Papyrusrestaurator gab, sind nach dem 2. Weltkrieg in Berlin weitere 400 Papyri verglast worden. Diese Papyri erhielten eine Inventarnummer und ihre Höhe und Breite wurden vermessen. Neben diesen bereits verglasten und inventarisierten Papyri lag der größere Teil der Papyrussammlung noch unbehandelt in den erwähnten Metallkisten. In diesen 25 unterschiedlich großen, z. T. mit Herkunftsvermerken versehenen Kisten lagerten bis in die 1990er Jahre etwa 4.000 Papyrusfragmente.

Jüngere Vergangenheit

Im Jahr 1994 wurde unter Leitung von Reinhold Scholl, dem Lehrstuhlinhaber für Alte Geschichte, eine Arbeitsgruppe mit dem Ziel der Restaurierung, Konservierung und wissenschaftlichen Erschließung der Papyrussammlung gebildet. In der Folge entstand das Projekt "P. Lips. II", für das dieser eine Drittmittelstelle der Fritz Thyssen Stiftung einwarb. Im Ergebnis erarbeitete die Papyrologin Ruth Duttenhöfer eine Edition von 29 griechischen dokumentarischen Papyri aus dem ptolemäisch-römischen Ägypten: Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig (P.Lips. II), hrsg. von Ruth Duttenhöfer mit einem Beitrag von Reinhold Scholl, K.G. Saur München und Leipzig 2002 (= Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft 10).

Im Frühjahr 2002 fand eine viel beachtete Ausstellung unter dem Titel "Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens" statt. Zur Ausstellung und als Dokumentation erschien eine Broschüre: 
R. Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens, Leipzig 2002 (= Schriften aus Universitätsbibliothek 7), 40 S.

In Verbindung mit der Ausstellung fand ein wissenschaftliches Symposion "Papyrus Ebers und die Antike Heilkunde – 15.–16.03.02" statt, deren Vorträge publiziert wurden: Papyrus Ebers und die antike Heilkunde (= Philippika 7). Akten der Tagung vom 15.–16. März 2002 in der Albertina/UB der Universität Leipzig, hrsg. von Hans-Werner Fischer-Elfert, Wiesbaden 2005.

Gegenwart

Forschungs- und Erschließungsprojekte:

Im Jahr 2003 begann für die Leipziger Papyrus- und Ostrakasammlung das digitale Zeitalter. Zusammen mit den Papyrussammlungen in Halle und Jena wurde in einem Kooperationsprojekt begonnen, die Papyri der drei Sammlungen nach einheitlichen Kriterien zu scannen, eine Sicherheitsverfilmung vorzunehmen, die Metadaten katalogartig zu erfassen und in einer Datenbank online zur Verfügung zu stellen (Links auf Einzelprojekte und papyri.uni-leipzig.de). Diese erste Erfassung des Gesamtbestandes wurde mit finanzieller Unterstützung der DFG durchgeführt. Die Restaurierung und Konservierung nahm der Papyrusrestaurator der Universitätsbibliothek Leipzig Jörg Graf vor.

Im Anschluß daran wurden auch die Ostraka nach diesen Kriterien in einem DFG geförderten Projekt in Kooperation mit dem Institut für Mineralogie, Kristallographie und MateriaIwissenschaft der Universität Leipzig bearbeitet (Link auf Ostrakaprojekt und papyri.uni-leipzig.de) bearbeitet.

Zwischenzeitlich wurde unter Federführung der Papyrus- und Ostrakasammlung Leipzig mit den Partnern in Halle und Jena das „Papyrusportal Deutschland“ begründet. Es erlaubt den direkten Zugriff auf alle digitalisierten Papyrussammlungen in Deutschland.

Durch ein weiteres von der DFG gefördertes Projekt wurde die Papyrus- und Ostrakasammlung für das Papyrusportal Deutschland 2012 bis 2015 nahezu vollständig erschlossen. Die antiken schriftlichen Zeugnisse auf Papyrus, Pergament, Papier, Leinen, Palmblatt, Tonscherben (Ostraka), Stein wurden digitalisiert, katalogisiert und sind online abrufbar.

Reinhold Scholl leitete die Papyrus- und Ostrakasammlung 1994 bis 2017. Seit 2017 ist die klassische Philologin und wissenschaftliche Bibliothekarin Almuth Märker Kustodin der Sammlung.

Die Papyrus- und Ostrakasammlung ist auch in die Lehre eingebunden, und zwar u.a. als Praxismodul im Masterstudiengang „Klassische Antike. Geschichte und Literatur“ der Fächer Alte Geschichte, Latinistik, Hellenistik und Byzantinistik.

Für Lehrveranstaltungen der Alten Geschichte und der Klassischen Philologie, aber auch für externe interessierte Gruppen werden regelmäßig Einführungen in die Papyrus- und Ostrakasammlung angeboten, die auf großes Interesse stoßen.

eigene

  • 2010: Vergraben, Verloren, Gefunden, Erforscht: Papyrusschätze in Leipzig
    Ausstellung vom 18. Juni–26. September 2010.
    Katalog: Vergraben, Verloren, Gefunden, Erforscht: Papyrusschätze in Leipzig, hrsg. von Reinhold Scholl, Leipzig 2010.
  • 2002: Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens,
    Ausstellung vom 14. Februar–23. März 2002
    Begleitbroschüre: Reinhold Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens (= Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig. Bd. 7). Universitätsbibliothek, Leipzig 2002

Kabinettausstellungen

Neben diesen eigenen Ausstellungen beteiligt sich die Papyrus- und Ostrakasammlung auch an anderen Ausstellungen mit eigenen Objekten.

Leihgeberin für externe Ausstellungen

Die Papyrus- und Ostrakasammlung stellt externen Institutionen Originale als Leihgabe zur Verfügung. 

Außerdem beteiligt sich die Papyrus- und Ostrakasammlung am Veranstaltungsprogramm der UB Leipzig mit Vorträgen. Gegenstand dieser Vorträge sind konsequent Stücke aus der eigenen Sammlung. Nach Möglichkeit wird parallel zum Vortrag der behandelte Papyrus oder das Ostrakon im Original in einer Standvitrine präsentiert.

Für die digitale Präsentation s. papyrusebers.de und für die wissenschaftliche Übersetzung s. sae.saw-leipzig.de/detail/dokument/papyrus-ebers

  • Benannt: nach seinem Erwerber Georg Ebers (1.3.1837–7.8.1898)
  • Erworben: durch Ankauf in Theben (Ägypten) im Winter 1872/73
  • Material: Papyrusrolle, ursprünglich komplett in zusammengerolltem Zustand Für Handhabung in 29 unterschiedlich große Stücke zerschnitten
  • Maße: H x L: 0,30 x 18,63 m
  • Datierung: Letztes Viertel des 16. Jh. v. Chr.
  • Aufbewahrung: Universitätsbibliothek Leipzig / Sondersammlungen: seit dem Krieg fehlen einige Kolumnen, andere sind beschädigt
  • Schrift: von rechts nach links in Hieratisch; schwarze und rote Tinte
  • Inhalt: "Hermetisches Buch von der Arzneilehre der alten Ägypter"
    Die Kolumnen 103–110 befinden sich auf der Rückseite der Kolumnen 102–94. Auf der Rückseite von Kolumne I befindet sich ein berühmter Kalender ("Sotis-Datum" (?) vom 9. Jahr Amenophis I.). Bei der antiken Numerierung der Spalten/Kolumnen wurden die Nr. 28 und 29 ausgelassen. Auf 27 folgt also direkt 30.

Als Dokumentation zum Papyrus Ebers ist eine kleine Broschüre erschienen: Reinhold Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens (Schriften aus der Universitätsbibliothek 7), Leipzig 2002; ISBN 3-910108-93-8. Sie ist für 5 Euro an der Servicetheke der Bibliotheca Albertina oder über den Buchhandel zu erwerben. (Eröffnungsvortrag zur Ausstellung am 14. Februar 2002)

  • Faksimile-Ausgabe: Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Herausgegeben, mit Inhaltsangabe u. Einleitung versehen von Georg Ebers. Mit hieroglyphisch. lateinischem Glossar von Ludwig Stern; Bd. 1–2; Bd.1. Einleitung und Text, Tafel I–LXIX – Bd.2. Glossar und Text, Tafel LXX–CX, Leipzig 1875.

Weiterführende Literatur:

Westendorf, Wolfhart: Handbuch der altägyptischen Medizin (Handbuch der Orientalistik: Abt. 1, Der Nahe und Mittlere Osten; Bd. 36) Leiden; Boston; Köln 1999 (Handbuch der altägyptischen Medizin; 1).

Übersetzungen:

  • Westendorf, Wolfhart: Handbuch der altägyptischen Medizin (Handbuch der Orientalistik: Abt. 1, Der Nahe und Mittlere Osten; Bd. 36), Leiden; Boston; Köln 1999 (Handbuch der altägyptischen Medizin; 2).
  • H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde. Aus dem Ägyptischen zum erstenmal vollständig übersetzt, Berlin 1890.
  • B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The greatest Egyptian medical document translated by B. Ebell, Kopenhagen 1937.
  • P. Ghalioungui, The Ebers Papyrus. A New English Translation, Commentaries and Glossaries, Karo 1987.
  • Th. Bardinet, Les papyrus médicaux de l'Egypte pharaonique, Paris 1995.

Umschrift:

  • W. Wreszinski, Der Papyrus Ebers. Umschrift, Übersetzung und Kommentar, I. Teil: Umschrift, Leipzig 1913. Prof. Dr. Reinhold Scholl Universitätsbibliothek Papyrus- und Ostrakasammlung

Gewalt gegen schreibkundige Frauen

Zeugnis davon, dass eine Frau Opfer von Gewalt wurde, legt ein bislang unveröffentlichter Papyrus der Leipziger Papyrussammlung (P.Lips. inv. 409) ab. In diesem Papyrus aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. erbittet die Frau Aurelia Anniene vom ekdikos (defensor civitatis = Verteidiger der Stadt) Rechtsbeistand, da sie gebissen und geprügelt wurde und deshalb schwer erkrankt sei.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sowohl die Eingabe selbst als auch die Unterschrift „Ich, Aurelia Anniene, habe (diese Eingabe) eingereicht“ von der Hand der Frau stammen.

Schreibunkundige Beamte

Ein Leipziger Papyrus liefert den Beweis dafür, dass auch Schreibunkundige in hohe Verwaltungsstellen aufrücken und dort ein ordentliches Gehalt beziehen konnten. Zeuge ist der Papyrus P. Lips. I 90 (= P.Lips. inv. 74), der aus dem Jahr 614 oder 629 n. Chr. stammt.


Der Text lautet in Übersetzung:

+ Flavius Basileius mit Gott Gehilfe der Kanzlei für die Erhebung der Naturalsteuern für das dritte Jahr der Steuerperiode, dem Herrn Magister, mit Gott Helfer der Rechnungskammer und des Rechnungsführers des Dioskurides-Bezirkes für dasselbe dritte Jahr der Steuerperiode. Ich empfing und erhielt von deiner Ehrwürden als Kanzleigehalt für dasselbe 3. Jahr der Steuerperiode in Gold einen Solidus und zweiundzwanzig ein Viertel Karat, macht 1 S(olidus) und 22 ¼ K(arat) wie folgt:

als Beamter der Rechnungskammer einen Goldsolidus und zwölf Karat, wegen des Dioskuriden-Bezirkes in Gold zehn ein Viertel Karat, macht zusammen in Gold 1 S(olidus) 22 ¼ K(arat) und zu deiner Deckung habe ich die gegen- wärtige Quittung ausgestellt wie oben geschrieben steht.

Hand     zeich     en            +  Ich Fl(avius) Basileius, der vorgenannte, mir ist die Quittung

         +          +          +

Ba          sill         ei        us .

genehm, wie sie oben steht. Ich Ischyrion, Sohn des Johannes, habe für ihn geschrieben, da er des Schreibens nicht kundig ist, aber mit eigener Hand die drei heiligen Kreuze hergesetzt hat. +

Es lassen sich drei Handschriften voneinander unterscheiden. Die erste Hand bzw. der erste Schreiber hat die Quittung geschrieben. Die zweite Hand hat die Bestätigung geschrieben und die dritte Hand hat die drei Kreuze gemacht.

Drei Kreuze als Unterschrift findet sich auch in zwei weiteren Papyri: P. Münch. I 7 aus dem Jahr 583 n. Chr. und SB I 5608 aus dem 7. Jahrhundert.

In diesem Fall dürfte sicherlich auch Vetternwirtschaft und Protektion eine Rolle gespielt haben.

Eine Sammlung, wie sie die Papyrus- und Ostrakasammlung der Universitätsbibliothek Leipzig darstellt und die innerhalb des Masterstudiengangs Klassische Antike in die Lehre integriert ist, stellt innerhalb der deutschen Universitätslandschaft eine Besonderheit dar.

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