Schauraum Papyrus Ebers

Die Universitätsbibliothek Leipzig bewahrt die größte und einzig vollständig überlieferte medizinische Papyrusrolle Altägyptens auf, die der Leipziger Ägyptologe Georg Ebers 1873 für die Universitätsbibliothek erworben hatte. Ebers ließ 1875 den in hieratischer Schrift geschriebenen Text drucken.

Seit 2017 ist der komplette Text mit Übersetzung aller Rezepte auf Deutsch und Englisch online. Seit 2021 kann eine Replik der 18,63 m langen Papyrusrolle in einem eigenen Schauraum im Foyer der Bibliotheca Albertina besichtigt werden. (Publikation zum Schauraum Papyrus Ebers)

Über den Papyrus Ebers

Der Papyrus Ebers ist als Schriftrolle mit schwarzer und roter Tinte auf 108 Textkolumnen beschrieben. Ihre Entstehung am Ende des 16. Jahrhunderts v. Chr. wird sowohl durch den Kalender auf der Rückseite wie durch eine 2014 durchgeführte Radiokarbondatierung bestätigt.

Die hieratische Schrift wird von rechts nach links gelesen. Mit roter Tinte werden meist die Mengenangaben der Rezepte notiert. Die Schrift stammt vermutlich von einem einzelnen Schreiber, die Größe der Kolumnen ist mehrheitlich etwa im A4-Format, variiert aber teilweise stark. Dass die Rolle am Ende auf der Rückseite beschrieben wurde, bezeugt ihre Vollständigkeit.

Der Papyrus Ebers zählt zu den wichtigsten Quellen unseres Wissens über die Heilkunde des Altertums. Er enthält fast 900 Rezepte und Lehrtexte der Allgemein- und Inneren Medizin. Es werden rund 80 Krankheitsbilder – wie Herzleiden, Gynäkologisches, Darmprobleme, Parasiten und Augenkrankheiten – sowie dazugehörige Heilmittel genannt: Zäpfchen, Salben, Pillen, Verbände und Klistiere. Die Arzneien setzen sich meist aus mehreren Bestandteilen zusammen, so aus Mineralien, pflanzlichen und tierischen Produkten sowie Ausscheidungen von Mensch und Tier.

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen der weißen Stellen in den Augen: „Donner ist am südlichen Himmel am Abend und Unwetter am nördlichen Himmel. Ein Pfeiler [d.  h. eine der vier Himmelsstützen] ist ins Wasser gefallen. Die Mannschaft des Re schlägt ihre Poller ein, während Köpfe ins Wasser fallen. Wer ist es denn, der ihn [d.  h. jeden einzelnen Kopf] holen wird, der ihn für unversehrt befinden wird? Ich bin es, der ihn holen wird. Ich bin es, der ihn für unversehrt befinden wird. Ich habe eure Köpfe geholt. Ich habe eure Nacken angeknüpft. Ich habe die von euch abgeschnittenen Köpfe an ihrem Platz befestigt. Ich habe euch geholt, um die Einwirkung eines Gottes, eines Untoten, einer Untoten usw. zu beseitigen.“ Diese Worte sind zu sprechen über Galle einer Schildkröte, die in Honig zerstoßen ist. Werde an den „Rücken“ der Augen gegeben. (Eb 360)

Ein anderes, zweites Heilmittel: Weihrauch: 1 [Dosis], Ocker: 1 [Dosis], Galle einer Ziege: 1 [Dosis]. Werde zu einer homogenen Masse verarbeitet. Die verletzte Stelle werde darüber verbunden. (Eb 433)

Ein anderes Heilmittel zum ordnungsgemäßen Behandeln der Haare: Zahn vom Esel. Werde in Honig zerstoßen. Der Kopf werde damit eingerieben. (Eb 470)

Ein anderes Heilmittel zum Beseitigen von Niesen in der Nase: Polei-Minze. Werde mit Datteln zerrieben. Werde an die Nase gegeben. (Eb 762)

Diese Worte sind zu sprechen beim Auftragen eines Heilmittels auf jeden kranken Körperteil eines Mannes. Dieser Spruch ist wirklich vortrefflich, Millionen Mal erprobt! (Eb 1)

Der Papyrus Ebers ist eine Art Handbuch zur altägyptischen Heilkunde.
Der Papyrus Ebers enthält auf 110 Kolumnen 879 Einzeltexte (Rezepte), die neun medizinische Themenbereiche betreffen:
Rezepte 1–6: Sprüche, die vor der medizinischen Behandlung aufzusagen sind
Rezepte 7–335: Innere Krankheiten
Rezepte 336–431: Augenkrankheiten
Rezepte 432–602: Hautkrankheiten
Rezepte 603–696: Krankheiten der Extremitäten
Rezepte 697–782: Vermischtes (Kopf, Zunge, Zähne, Nase, Ohren, Schönheitsmittel)
Rezepte 783–853: Gynäkologisches
Rezepte 854–856: Informationen über Herz und Blutkreislauf
Rezepte 857–877: Geschwüre

Die Texte lassen sich wie folgt charakterisieren:
44 Lehrtexte, 4 Prognosen, 776 Rezepte in Kurzfassung, 28 Rezepte mit Resten des Lehrtextes, 11 Rezepte mit zusätzlichem Zauber, 10 Zaubertexte mit medizinischer Anwendung, 1 Zaubertext ohne medizinische Anwendung, 4 Zusammenstellungen aus Lehrtexten

Der Heiler war im alten Ägypten gleichzeitig Arzt, Priester und Magier und vertritt Wissenschaft, Religion und Magie. Die Heilkunde behandelt den Menschen ganzheitlich.

70–80 % der Zutaten bei den Heilmitteln sind nicht identifiziert, weshalb es nicht einfach ist, altägyptische Heilrezepte nachzubereiten.

(Slider, Abb. 1) Dass die hieratische Schrift bisweilen sehr anschaulich ist, zeigen in Kolumne 8 zu Beginn der Zeilen 1 und 19 die Zeichen für Honig, die sich aus einer Biene und einem Topf dahinter zusammensetzten. Aber auch in Kolumne 9 zeigt eine Figur am Ende der Zeilen 11 und 16 fast, dass es dort um Mittel zum Ausscheiden oder Ausharnen geht.

Der Papyrus Ebers hat bis zur Kolumne 22 solche kleineren und schmaleren Kolumnen. Ab Kolumne 22 schreibt der altägyptische Schreiber eine Art Blocksatz, während er in den ersten Kolumnen mit jedem neuen Rezept und jeder Zutat eine neue Zeile beginnt. Außerdem sind die Mengenangaben nach links herausgerückt. Rechts kann man auch gut die antike Klebung sehen, die so fein ist, dass auch darüber hinweggeschrieben wird. Der Papyrus Ebers besteht aus 48 Einzelblättern, die im Schnitt 40,5 cm breit sind. Sie sind in der Antike so zusammengeklebt worden, dass jeweils das rechte Blatt das linke überlappt, damit man ohne größere Probleme die Klebung überschreiben kann, wenn man von rechts nach links schreibt.

(Slider, Abb. 2) In der Kolumne 31 geht es um die Behandlung von Leiden am After und die verschiedenen Heilmittel besonders zur Kühlung der Hitze durch Zäpfchen. Schreibtechnisch ist bemerkenswert, wie der Schreiber das Problem einer beim Abschreiben versehentlich ausgelassenen Passage löst. Er markiert die entsprechende Stelle in der zweiten Zeile mit einem roten X-Zeichen und fügt die Textstelle oberhalb der Kolumnenzahl ein.

(Slider, Abb. 3) Kolumne 88: Man kann ohne weiteres erkennen, dass hier ein Kapitel von den anderen durch Leerzeilen davor und danach getrennt ist, was sonst im Papyrus Ebers nicht vorkommt. Es handelt sich dabei um die Rezepte 726–732. In ihnen geht es um das „Herausziehen eines Stachels, der im Körper ist“ und „Heilmittel für einen Dorn, den man herausgeschnitten hat.“ Es folgt dann ein „Heilmittel für das Beseitigen von Aussatz.“ Die letzten Zeilen sind gedrängter geschrieben und stellen einen Nachtrag dar.

(Slider, Abb. 4) Dies ist mit der Nr. 110 die letzte Kolumne des Papyrus Ebers, deren Text in der letzten Zeile endet mit „Heilmittel bis zur Gesundung“. Im Vergleich mit den Originalseiten kann man einerseits die ausgezeichnete Qualität des Faksimiles von 1875 erkennen und bewundern, andererseits wird man schmerzlich an den Verlust einiger Kolumnen erinnert.

Georg Ebers (1.3.1837 Berlin–7.8.1898 München) reiste zweimal nach Ägypten: 1869/70 mit seiner Frau Antonie und 1872/73 mit Ludwig Stern. Auf der zweiten Reise kaufte er in Luxor die medizinische Papyrusrolle, die er nach sich selber benannte. Schon aus Ägypten schrieb er 1873 an seine Frau, wie sehr er sich auf die gedruckte Veröffentlichung freue, die 1875 erfolgte.

Auf einer solchen Dahabiya, einer Nilbarke, transportierte Ebers auch den Papyrus aus Luxor 600 Kilometer flussabwärts nach Kairo. (Abbildung aus Bd. 1 von Ägypten in Bild und Wort, S. 131)

Ebers hat 1875 ein gedrucktes Faksimile des Papyrus Ebers herausgegeben und damit den Text gesichert: Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift, herausgegeben, mit Inhaltsangabe und Einleitung versehen von Georg Ebers. Mit hieroglyphisch-lateinischem Glossar von Ludwig Stern; Bd.1-2; Bd.1. Einleitung und Text, Tafel I–LXIX; Bd.2. Glossar und Text, Tafel LXX-–CX, Leipzig 1875.

  • Der Papyrus Ebers ist seit 2016 mit IIIF-Technologie als digitales Faksimile online und kann hier angesehen werden: https://papyrusebers.de. Der gesamte Text ist dort in der deutschen Übersetzung durch Lutz Popko und in der englischen Fassung von Andrea Sinclair Rezept für Rezept aufrufbar.
  • Ägyptisches Museum der Universität Leipzig