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Leipziger Papyrus- und Ostrakasammlung

Bestand

Die heutige Papyrus- und Ostrakasammlung besteht offiziell seit 1902 (vgl. unten zu ihrer Geschichte, jüngeren Vergangenheit und Gegenwart). Sie beherbergt ca. 5.000 Objekte vorwiegend aus Papyrus, aber auch einige aus Pergament (8), Papier (13) und Leinen (2), deren exakte Zahl nicht angegeben werden kann, weil die Inventarisierung und Katalogisierung erst im Mai 2015 abgeschlossen sein wird. Von den über 3.000 bisher erfaßten aus diesen Materialien sind alle in Griechisch geschrieben bis auf die 160 in Arabisch, 123 in Koptisch, 22 in Latein, 15 in Demotisch und 3 in Hieratisch. Literarische Papyri gibt es lediglich 90, der Rest ist dokumentarischer Natur. Von dem Gesamtbestand sind bisher 248 publiziert.

Zum Sammlungsbestand gehören auch 1575 Ostraka (beschriftete Tonscherben), davon sind 650 in Griechisch, 275 in Demotisch, 18 in Griechisch-Demotisch, 634 in Koptisch, 1 in Latein, 3 in Meroitisch, 3 in einer bisher nicht identifizierten Sprache beschriftet. Davon sind bisher 26 Ostraka, darunter 20 griechische, 4 demotische und 2 bilingue publiziert.

digital

analog

  • Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Herausgegeben, mit Inhaltsangabe u. Einleitung versehen von Georg Ebers. Mit hieroglyphisch. lateinischem Glossar von Ludwig Stern; Bd. 1-2; Bd.1. Einleitung und Text, Tafel I-LXIX – Bd.2. Glossar und Text, Tafel LXX-CX, Leipzig 1875.
  • Carl Wessely, Die griechischen Papyri der Leipziger Universitätsbibliothek, Leipzig 1885 (Verhandlungen der königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 37, S. 237-75, Nr. 1-35) = P. Leipz.
  • Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig. I. Band mit Beiträgen von Ulrich Wilcken hrsg. von Ludwig Mitteis, Leipzig 1906 (=P. Lips. I)
  • Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig (P.Lips.II), hrsg. von Ruth Duttenhöfer mit einem Beitrag von Reinhold Scholl, K.G. Saur München und Leipzig 2002 (= Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft 10).
  • Reinhold Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens, Leipzig 2002 (= Schriften aus Universitätsbibliothek 7).
  • Folgende Beiträge beschäftigen sich mit einzelnen Objekten der Papyrus- und Ostrakasammlung:
  • Nadine Quenouille, The Gerontios-Archive – A sub-archive of the Abinnaeus-Archive?", in:  27th International Congress of Papyrology, Warsaw 29.07. – 03.08.2013, Universität Warschau (im Druck). (O.Lips.Inv. 9945, 950, 992, 998, 1001, 1002, 1003, 1004, 1005, 1006, 1007, 1086).
  • Nadine Quenouille, Robert Sobott, Christoph Berthold und Klaus Bente, Zerstörungsfreie naturwissenschaftliche Untersuchungen an Ostraka aus der Sammlung der Universitätsbibliothek Leipzig (Bibliotheca Albertina), in: B. Ramminger / O. Stilborg / M. Helfert (Edd.): Naturwissenschaftliche Analysen vor- und frühgeschichtlicher Keramik 3. Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie 238, Bonn 2013,. 289-304. (O.Lips.Inv. 9945, 950, 992, 998, 1001, 1002, 1003, 1004, 1005, 1006, 1007, 1086)
  • Nadine Quenouille, Aus dem Fayyûm nach Leipzig – Überblick über den Bestand und Edition dreier unveröffentlichter Zeugnisse in der Leipziger Papyrussammlung, in: C. Arlt / M. Stadler (Edd.), Das Fayyûm in Hellenismus und Kaiserzeit. Fallstudien zu multikulturellem Leben in der Antike, Wiesbaden 2013, 141-158.(P.Lips.Inv. 593 R, 1125+1409 R, 1221 R+V).
  • Jörg Graf, Papyrusrestaurierung an der Universitätsbibliothek, in: Das Buch in Antike, Mittelalter und Neuzeit, Sonderbestände der Universitätsbibliothek Leipzig, hrsg. v. Th. Fuchs, C. Mackert und R. Scholl, Harrassowitz Verlag Wiesbaden, 2012, S.61–69.
  • Nadine Quenouille, Gemeinsame Inventarisierung, Katalogisierung und Digitalisierung der Ostrakasammlungen in Halle, Jena und Leipzig für das „Papyrusportal Deutschland“, in: T. Fuchs / C. Mackert / R. Scholl (Edd.), Das Buch in Antike, Mittelalter und Neuzeit Sonderbestände der Universitätsbibliothek Leipzig, Leipzig 2012, 55-60.
  • Nadine Quenouille, La collection d’ostraca de la bibliothèque de l’Université de Leipzig, in: P. Schubert (Ed.), Nadine Quenouille Actes du 26e Congrès international de papyrologie. Genève 16-21 août 2010, Genf 2012, 635-638. Nadine Quenouille, Kinder, Sklaven, Kindersklaven? Abrechnung für Arbeiten auf einem Landgut (O.Lips. Inv. 763+949), in: L. Popko / N. Quenouille / M. Rücker (Edd.), Doulika Erga. Festschrift für Reinhold Scholl zum 60. Geburtstag (Archiv für Papyrusforschung, Beiheft 33), Berlin 2012, 204-218. (O.Lips.Inv. 763+949).
  • Nadine Quenouille zusammen mit R. Scholl, Scherben bringen Glück... Digitale Präsentation der mitteldeutschen Ostrakasammlungen im "Papyrusportal Deutschland", in: BIS Jg. 3/2,2010,  120-121. )
  • Nadine Quenouille, "...Deine Frau wird bei Dir ausharren bis zum Greisenalter..." Religion und Magie, in: R. Scholl (Ed.), Vergraben, verloren, gefunden, erforscht. Papyrusschätze in Leipzig. Katalog zur Ausstellung. Universitätsbibliothek Leipzig 18. Juni bis 26. September 2010 (Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig 20), Leipzig 2010, 52-57.
  • Nadine Quenouille zusammen mit R. Scholl, "...Heureka..." oder die Geschichte der Papyrussammlung: Erwerbung und Erforschung, in: R. Scholl (Ed.), Vergraben, verloren, gefunden, erforscht. Papyrusschätze in Leipzig. Katalog zur Ausstellung. Universitätsbibliothek Leipzig 18. Juni bis 26. September 2010 (Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig 20), Leipzig 2010, 6-9.
  • Daniela Colomo, Lutz Popko, Michaela Rücker, Reinhold Scholl: Die älteste Weltchronik, Europa, die Sintflut und das Lamm, In: Archiv für Papyrusforschung 56/1, 2010, S. 1-25.Reinhold Scholl, Streit wegen schlechter Behandlung der Ehefrau (?) (P. Lips. Inv. 1452 V), in: "...vor dem Papyrus sind alle gleich!", in: Papyrologische Beiträge zu Ehren von Bärbel Kramer (P. Kramer), hsrg. v. R. Eberhard, H. Kockelmann, S. Pfeifer u. M. Schentuleit (Archiv für Papyrusforschung Beiheft 27), Berlin, New York 2009, 228-233, mit Taf.XIII.
  • Reinhold Scholl und Margit Homann, Gesucht und gefunden. Amtliche (?) Anweisung zur Unterlassung von Belästigung, Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete 55, 2009, 462-469, Taf. XXX (= P. Poethke 36).
  • Jörg Graf und Fabian Schumacher, Möglichkeiten der Ionenchromatografie. Identifizierung und quantitative Bestimmung wasserlöslicher Ablagerungen auf Papyrus-Fragmenten, in: Zeitschrift Restauro 4, 2008, S. 242–248.
  • Jörg Graf und Myriam Krutzsch, Ägypten lesbar machen – die klassische Konservierung/Restaurierung von Papyri und neuere Verfahren. Beiträge des 1. Internationalen Workshops der Papyrusrestauratoren Leipzig, 7.–9. September 2006, hrsg. v. Jörg Graf und Myriam Krutzsch (Archiv für Papyrusforschung, Beih. 24), Berlin, New York 2008, S. 28–33.
  • Reinhold Scholl, Texte aus dem historischen Umfeld des Codex Sinaiticus, in: Codex Sinaitcus. Geschichte und Erschließung der "Sinai-Bibel", Hrsg. U.J. Schneider, Leipzig 2006, 31-36
  • Daniela Colomo u. Reinhold Scholl, L' «Ad Demonicum» in un nuovo esercizio scolastico (P.Lips..Inv. 1027, «Ad Dem.» 2-3), in: Papiri Filosofici, Miscellanea di Studi V, Firenze 2007, 3-14, Tav.
  • Reinhold Scholl, Ein Syntagma der Jäger, Ancient Society 36, 2006, 97-109. (Edition von P.Lips.Inv.1452R)
  • Daniela Colomo u. Reinhold Scholl, Psalmen und Rechnungen: P.Bonn. Inv. 147 + P.Lips. I 97, Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 153, 2005, 163-167.
  • Jörg Graf, Ein Papyruskonvolut wird lesbar, Kiste A der Papyrussammlung der Universitätsbibliothek Leipzig, Zeitschrift Restauro 8/ Dezember 2004 S.527–531
  • Reinhold Scholl u. Charlotte Schubert, Lex Hadriana de agris rudibus und lex Manciana, Archiv für Papyrusforschung 50/1, 2004, 79-84.
  • Reinhold Scholl, "Freilassung unter Freunden" im römischen Ägypten, in: Fünfzig Jahre Forschungen zur antiken Sklaverei an der Mainzer Akademie 1950-2000. Miscellanea zum Jubiläum, hrsg. von H. Bellen und H. Heinen, Stuttgart 2001, S. 159-169.
  • Wolfgang Luppe und Reinhold Scholl, Ein Leipziger Mythologie-Papyrus (P. Lips. inv. 1390), Archiv für Papyrusforschung 47, 2001, 4-18, mit Taf. II-III.
  • Wolfgang Luppe, Ein Leipziger Epigramm-Papyrus (P. Lips. inv. 1445 verso), Archiv für Papyrusforschung 48, 2002, 197-206, mit Taf. XXII-XXIV.
  • Reinhold Scholl, Ein >Bibliotheksdirektor< und seine >Bibliothekare<. Ein >Geschäftsgang< aus dem römischen Ägypten, in: Von Alexandrien nach Leipzig. Erschließung von Papyri und Handschriften in der Universitätsbibliothek, Leipzig 2000 (= Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig 5), S. 7-12 mit Titelblatt.

Geschichte

Die ersten Papyri waren durch den Theologen Konstantin von Tischendorf, dem Leipzig den bekannten Codex Sinaiticus verdankt, nach Leipzig gebracht worden. Einige dieser Texte wurden von Carl Wessely, Die griechischen Papyri der Leipziger Universitätsbibliothek, Leipzig 1885 (Verhandlungen der königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften 37, S. 237-75, Nr. 1-35) veröffentlicht, und sie werden in der wissenschaftlichen Literatur unter der Abkürzung P. Leipz. geführt. Die Originalpapyri werden in diesem besonderen Fall wirklich originell aufbewahrt. Sie sind nämlich in ein Belegexemplar dieser Ausgabe eingeklebt.

Drei Institutionen waren an dem Zustandekommen der Leipziger Papyrussammlung beteiligt: Der Leiter des sächsischen Staatsministeriums für Kultus und öffentlichen Unterricht, Sr. Excellenz Dr. von Seydewitz, die Königlich Sächsische Gesellschaft der Wissenschaften sowie die Verwaltung der Albrechtstiftung zu Leipzig. Diese drei haben die finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt, um ab Sommer 1902 den Erwerb aus Ägypten stammender, in der Mehrzahl griechisch geschriebener Papyri zu realisieren. Zur gleichen Zeit hatten sich auch verschiedene Bibliotheken, Museen und sonstige Institute sowie auch Privatpersonen zu einem Kartell, dem Deutschen Papyruskartell, zusammengeschlossen, um in Ägypten Papyri zu erwerben, u.a. auch mit Mitteln des Nobelpreises, den Theodor Mommsen erhalten hatte und von dem er eine noble Spende den Leipzigern für den Ankauf von Papyri zukommen ließ.

Leipzig wurde dann ein Zentrum der Papyrusforschung, was nicht zuletzt auch an den Lehrstuhlinhabern des Faches Alte Geschichte lag. Besonders die Berufung von Ulrich Wilcken im Jahr 1906 auf das neu geschaffene Ordinariat für Alte Geschichte ist hier zu nennen. Denn Ulrich Wilcken, ein Schüler Theodor Mommsens, kann mit Recht als Begründer der wissenschaftlichen Papyrologie gelten. Er gab seit 1900 die auch von ihm gegründete Zeitschrift "Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete" (APF) heraus. Zusammen mit dem Leipziger Rechtshistoriker Ludwig Mitteis veranstaltete er auch eine Edition Leipziger Papyri unter dem Titel "Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig", Leipzig 1906 = P.Lips. I. Dort sind 107 Papyri und 16 Ostraka ediert, mit kurzer äußerer Beschreibung, dem griechischen Text und einem Kommentar. In der Folgezeit sind zwar sind noch einige wenige Texte von verschiedenen Bearbeitern veröffentlicht worden, doch eine Edition P. Lips. II als Fortsetzung hat es lange Zeit nicht gegeben, weil auch die Besetzung des Lehrstuhles Alte Geschichte bzw. der dazugehörigen Mitarbeiter in der Folgezeit keine Papyrologen mehr aufzuweisen hatte. Zwar wurde nach dem 2. Weltkrieg mit der Berufung des 73jährigen Wilhelm Schubart, dem damaligen Nestor der Papyrologie, nochmals ein wirklich ausgewiesener Fachmann gefunden, doch war damals der Schwerpunkt in Forschung und Lehre anders ausgerichtet. Später legte man noch weniger Wert auf die Erforschung der eigentlichen Quellen. So konnte es auch geschehen, daß die Papyrussammlung seit dem 2. Weltkrieg weder einen konservatorischen noch einen wissenschaftlichen Bearbeiter gefunden hat, weshalb die übrigen Papyri größtenteils weiterhin in den Orginaltransportbehältnissen des Deutschen Papyruskartells verblieben.

Diese Umstände hatten zur Folge, daß die Leipziger Papyrussammlung lange Zeit gleichsam aus zwei unterschiedlich großen Teilen bestand, und zwar aus einem kleineren konservatorisch behandelten Teil, d.h. die Papyri waren geglättet und verglast, mit einer Inventarnummer versehen und somit der Wissenschaft zugänglich; das waren etwas über 1000 Stück. Neben ersten Eintragungen in das Inventarbuch, das gleich zu Beginn mit der Anlegung der Sammlung begonnen wurde, gibt es zwei Versuche aus dem Anfang und der Mitte der 30er Jahre, eine katalogartige Kurzbeschreibung anzufertigen. Dies betrifft 650 Texte. Nach dem 2. Weltkrieg sind dann weitere 400 Papyri in Berlin verglast worden, da man vor Ort keinen Papyrusrestaurator hatte. Diese Papyri haben aber lediglich eine Inventarnummer erhalten und die äußeren Maße (Höhe und Breite) sind vermessen worden. Neben diesen bereits verglasten und inventarisierten Papyri lag der größere Teil der Papyrussammlung noch unbehandelt in den oben bereits erwähnten unterschiedlich großen Metallkisten, 25 an der Zahl, z.T. mit Herkunftsvermerken versehen. Die Zahl dieser Texte und Textfragmente beträgt geschätzt etwa 4000. 

Jüngere Vergangenheit

Im Jahr 1994 wurde eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Verfassers dieses Artikels gebildet, um sich der Restaurierung, Konservierung und wissenschaftlichen Erschließung der Papyrussammlung anzunehmen. In diesem Zusammenhang stand auch das Projekt "P. Lips. II", für das der Verfasser eine Drittmittelstelle von der Fritz Thyssen Stiftung eingeworben hat. Das Ergebnis ist eine Edition von 29 griechischen, dokumentarischen Papyri aus dem ptolemäisch-römischen Ägypten: Griechische Urkunden der Papyrussammlung zu Leipzig (P.Lips.II), hrsg. von Ruth Duttenhöfer mit einem Beitrag von Reinhold Scholl, K.G. Saur München und Leipzig 2002 (= Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete, Beiheft 10).

Im Frühjahr 2002 fand eine viel beachtete Ausstellung unter dem Titel "Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens" statt. Zur Ausstellung und als Dokumentation erschien eine kleine Broschüre: 

R. Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens, Leipzig 2002 (= Schriften aus Universitätsbibliothek 7), 40 S., 

In Verbindung mit der Ausstellung fand ein wissenschaftliches Symposion "Papyrus Ebers und die Antike Heilkunde - 15.-16.03.02" statt, deren Vorträge publiziert wurden: Papyrus Ebers und die antike Heilkunde (= Philippika 7). Akten der Tagung vom 15.–16. März 2002 in der Albertina/UB der Universität Leipzig, hrsg. von Hans-Werner Fischer-Elfert,  Wiesbaden 2005.

Gegenwart oder das digitale Zeitalter

Forschungs- und Erschließungsprojekte:

Im Jahr 2003 begann für die Leipziger Papyrus- und Ostrakasammlung das digitale Zeitalter. Zusammen mit den Papyrussammlungen in Halle und Jena wurde in einem Kooperationsprojekt begonnen, die Papyri der drei Sammlungen nach einheitlichen Kriterien zu scannen, eine Sicherheitsverfilmung vorzunehmen, die Metadaten katalogartig zu erfassen und in einer Datenbank online zur Verfügung zu stellen (Links auf Einzelprojekte) und http://Papyri.uni-leipzig.de). Diese erste Erfassung des Gesamtbestandes wurde mit finanzieller Unterstützung der DFG durchgeführt, während die notwendige Restaurierung und Konservierung mit Eigenmitteln durch den Papyrusrestaurator Jörg Graf erfolgte.

Im Anschluß daran wurden auch die Ostraka nach diesen Kriterien in einem DFG geförderten Projekt in Kooperation mit dem Institut für Mineralogie, Kristallographie und MateriaIwissenschaft der Universität Leipzig bearbeitet (Link auf Ostrakaprojekt und http://papyri.uni-leipzig.de) bearbeitet.

Zwischenzeitlich wurde unter Federführung der Papyrus- und Ostrakasammlung Leipzig mit den Partnern in Halle und Jena das „Papyrusportal Deutschland“ (http://www.papyrusportal.de) aus der Taufe gehoben, das einen direkten Zugriff auf alle digitalisierten Papyrussammlungen in Deutschland erlaubt.

Seit Dezember 2012 läuft die letzte ebenfalls von der DFG geförderte Phase der Erschließung der Papyrus- und Ostrakasammlung für das Papyrusportal Deutschland. Nach Abschluß dieses Projektes im Mai 2015 werden alle antiken schriftlichen Zeugnisse auf Papyrus, Pergament, Papier, Leinen, Palmblatt, Tonscherben (Ostraka), Stein digitalisiert, katalogisiert und online abrufbar sein.

Die Papyrus- und Ostrakasammlung ist auch sehr stark in die Lehre eingebunden, und zwar u.a. als Praxismodul im Masterstudiengang „Klassische Antike. Geschichte und Literatur“ der Fächer Alte Geschichte, Latinistik, Hellenistik und Byzantinistik, das im Anschluß an das Modul „Text und Quelle“ zu absolvieren ist.

Für die Alte Geschichte und die Klassische Philologie werden regelmäßig in und mit der Papyrus- und Ostrakasammlung Einführungen in die Papyrologie als Grundlagenwissenschaft angeboten, die auf großes Interesse stoßen.

eigene

  • 2010: Vergraben, Verloren, Gefunden, Erforscht: Papyrusschätze in Leipzig
    Ausstellung vom 18. Juni – 26. September 2010.
    Katalog: Vergraben, Verloren, Gefunden, Erforscht: Papyrusschätze in Leipzig, hrsg. von Reinhold Scholl, Leipzig 2010.
  • 2002: Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens,
    Ausstellung vom 14. Februar - 23. März 2002
    Begleitbroschüre: Reinhold Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens (= Schriften aus der Universitätsbibliothek Leipzig. Bd. 7). Universitäts-Bibliothek, Leipzig 2002

 

Kabinettausstellungen

  • 2013 Aus ägyptischen Klöstern. Koptische Manuskripte aus den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Leipzig (Forschungslesesaal der Universitätsbibliothek Leipzig)
    10. Juni – 15. Juni 2013
  • 2012 Christliches aus des Papyrus- und Ostrakasammlung,
    Kabinettausstellung vom 20. März – 18. April 2012
  • 2006 Zum 6. Deutschen Papyrologentag,
    30. Juni – 2. juli 2006

Neben diesen eigenen Ausstellungen beteiligt sich die Papyrus- und Ostrakasammlung auch an anderen Ausstellungen mit eigenen Objekten.

 

Leihgeber für fremde Ausstellungen

Die Papyrus- und Ostrakasammlungen stellt auch Objekte und Texte als Leihgaben zur Verfügung und hält entsprechende Vorträge im Rahmen dieser Ausstellungen.

Auch am Vorstellungsprogramm der UBL beteiligt sich die Papyrus- und Ostrakasammlung mit ihrem ganzen Team.

  • Benannt: nach seinem Erwerber Georg Ebers (1.3.1837-7.8.1898)
  • Erworben: durch Ankauf in Theben (Ägypten) im Winter 1872/73
  • Material: Papyrusrolle, ursprünglich komplett in zusammengerolltem Zustand Für Handhabung in 29 unterschiedlich große Stücke zerschnitten
  • Maße: H x L: 0,30 x 18,63 m
  • Datierung: Letztes Viertel des 16. Jh. v. Chr.
  • Aufbewahrung:Universitätsbibliothek Leipzig / Sondersammlungen: seit dem Krieg fehlen einige Kolumnen, andere sind beschädigt
  • Schrift: von rechts nach links in Hieratisch; schwarze und rote Tinte
  • Inhalt: "Hermetisches Buch von der Arzneilehre der alten Ägypter"
    Die Kolumnen 103-110 befinden sich auf der Rückseite der Kolumnen 102-94. Auf der Rückseite von Kolumne I befindet sich ein berühmter Kalender ("Sotis-Datum" (?) vom 9. Jahr Amenophis I.). Bei der antiken Numerierung der Spalten/Kolumnen wurden die Nr. 28 und 29 ausgelassen. Auf 27 folgt also direkt 30.

Als Dokumentation zum Papyrus Ebers ist eine kleine Broschüre erschienen: Reinhold Scholl, Der Papyrus Ebers. Die größte Buchrolle zur Heilkunde Altägyptens (Schriften aus der Universitätsbibliothek 7), Leipzig 2002; ISBN 3-910108-93-8. Sie ist für 5 Euro am Ausleihschalter der Universitätsbibliothek oder über den Buchhandel zu erwerben.(Eröffnungsvortrag zur Ausstellung am 14. Februar 2002)

  • Faksimile-Ausgabe: Papyros Ebers. Das hermetische Buch über die Arzneimittel der alten Ägypter in hieratischer Schrift. Herausgegeben, mit Inhaltsangabe u. Einleitung versehen von Georg Ebers. Mit hieroglyphisch. lateinischem Glossar von Ludwig Stern; Bd. 1-2; Bd.1. Einleitung und Text, Tafel I-LXIX – Bd.2. Glossar und Text, Tafel LXX-CX, Leipzig 1875.

Weiterführende Literatur:

Westendorf, Wolfhart: Handbuch der altägyptischen Medizin (Handbuch der Orientalistik: Abt. 1, Der Nahe und Mittlere Osten; Bd. 36) Leiden; Boston; Köln 1999 (Handbuch der altägyptischen Medizin; 1).

Übersetzungen:

  • Westendorf, Wolfhart: Handbuch der altägyptischen Medizin (Handbuch der Orientalistik: Abt. 1, Der Nahe und Mittlere Osten; Bd. 36), Leiden; Boston; Köln 1999 (Handbuch der altägyptischen Medizin; 2).
  • H. Joachim, Papyros Ebers. Das älteste Buch über Heilkunde. Aus dem Ägyptischen zum erstenmal vollständig übersetzt, Berlin 1890.
  • B. Ebbell, The Papyrus Ebers. The greatest Egyptian medical document translated by B. Ebell, Kopenhagen 1937.
  • P. Ghalioungui, The Ebers Papyrus. A New English Translation, Commentaries and Glossaries, Karo 1987.
  • Th. Bardinet, Les papyrus médicaux de l ´Egypte pharaonique, Paris 1995.

Umschrift:

  • W. Wreszinski, Der Papyrus Ebers. Umschrift, Übersetzung und Kommentar, I. Teil: Umschrift, Leipzig 1913. Prof. Dr. Reinhold Scholl Universitätsbibliothek Papyrus- und Ostrakasammlung

Gewalt gegen schreibkundige Frauen

Daß es auch in der Antike Gewalt gegen Frauen gab, bezeugt u.a. ein noch unveröffentlichter Papyrus der Leipziger Papyrussammlung mit der Inv. Nr. 409. Diesen Fall entdeckte Frau Dr. Daniela Colomo im Rahmen ihrer Arbeit am Projekt der Katalogisierung und Digitalisierung der Leipziger Papyrussammlung, das Teil des gemeinsamen DFG geförderten Projektes der Sammlungen in Halle, Jena und Leipzig ist.

In diesem Papyrus aus dem 5. Jahrhundert n. Chr. beklagt sich eine Frau Aurelia Anniene bei dem ekdikos (defensor civitatis = Verteidiger der Stadt), daß sie gebissen und geprügelt worden ist und aus diesem Grund krank darnieder liegt. Mit diesem Schreiben bittet sie um Rechtsbeistand.

Bemerkenswert ist die Tatsache, daß sowohl die Eingabe selbst als auch die Unterschrift „Ich, Aurelia Anniene, habe (diese Eingabe) eingereicht“ von der Hand der Frau stammen.

Schreibunkundige Beamte

Man sollte es nicht für möglich halten! Ein Leipziger Papyrus legt Zeugnis davon ab, daß auch Schreibunkundige in hohe Verwaltungsstellen aufrücken und dort auch noch ein ordentliches Gehalt beziehen können. Doch ist dies kein Fall aus der Gegenwart, sondern er liegt schon einige Zeit zurück. Zeuge ist der Papyrus P. Lips. I 90 = P. Lips. Inv. 74, der aus dem Jahr 614 oder 629 n. Chr. stammt.


Der Text lautet in Übersetzung:

+ Flavius Basileius mit Gott Gehilfe der Kanzlei für die Erhebung der Naturalsteuern für das dritte Jahr der Steuerperiode, dem Herrn Magister, mit Gott Helfer der Rechnungskammer und des Rechnungsführers des Dioskurides-Bezirkes für dasselbe dritte Jahr der Steuerperiode. Ich empfing und erhielt von deiner Ehrwürden als Kanzleigehalt für dasselbe 3. Jahr der Steuerperiode in Gold einen Solidus und zweiundzwanzig ein Viertel Karat, macht 1 S(olidus) und 22 ¼ K(arat) wie folgt:

als Beamter der Rechnungskammer einen Goldsolidus und zwölf Karat, wegen des Dioskuriden-Bezirkes in Gold zehn ein Viertel Karat, macht zusammen in Gold 1 S(olidus) 22 ¼ K(arat) und zu deiner Deckung habe ich die gegen- wärtige Quittung ausgestellt wie oben geschrieben steht.

Hand     zeich     en            +  Ich Fl(avius) Basileius, der vorgenannte, mir ist die Quittung

         +          +          +

Ba          sill         ei        us .

genehm, wie sie oben steht. Ich Ischyrion, Sohn des Johannes, habe für ihn geschrieben, da er des Schreibens nicht kundig ist, aber mit eigener Hand die drei heiligen Kreuze hergesetzt hat. +

Wie auf dem Foto (rechts) gut zu sehen ist, lassen sich drei Handschriften voneinander unterscheiden. Die erste Hand bzw. der erste Schreiber hat die Quittung geschrieben. Die zweite Hand hat die Bestätigung geschrieben und die dritte Hand hat die drei Kreuze gemacht.

Drei Kreuze als Unterschrift findet sich noch in zwei weiteren Papyri: P. Münch. I 7 aus dem Jahr 583 n. Chr. und SB I 5608 aus dem 7. Jahrhundert.

Eine Karriere ohne Schreibkenntnisse, aber mit Gottes Hilfe! Dabei dürfte in diesem Fall sicherlich auch Vetternwirtschaft, Protektion oder modern gesprochen „Vitamin B“ eine Rolle gespielt haben. Doch sind solche Verhältnisse heute „Gott sei Dank“ tempi passati! Allerdings werden bisweilen auch heute die Rechenkünste der Finanzbürokratie angezweifelt! Um die Lese- und Schreibfähigkeiten der Schüler kümmert sich heute auch eine ausgewachsene Bürokratie, so daß nicht nur wenige Prozent der männlichen Bewohner eines Landes lesen und schreiben können, wie das einige Forscher für das klassische Griechenland angenommen haben. Pisa und OECD Studien fehlen leider für die Antike, so daß wir auf Einzelzeugnisse wie den vorliegenden Papyrus angewiesen sind.

Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes der Digitalisierung, Katalogisierung und Sicherheitsverfilmung der Papyrussammlungen in Halle, Jena und Leipzig sowie der Präsentation der Forschungsergebnisse im Internet werden noch mehr solcher Schätze ans Tageslicht geholt werden.

An dieser Stelle wird in loser Folge Kurioses und Interessantes aus der Leipziger Papyrussammlung vorgestellt werden.

Eine derartige Sammlung, die in Leipzig innerhalb des Faches Alte Geschichte sowohl in die Forschung als auch in die Lehre integriert wird, ist einzigartig in den neuen Ländern und ist auch nicht selbstverständlich innerhalb der gesamtdeutschen Universitätslandschaft.

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